Donnerstag, 2. März 2017
Predigtreihe über Hiob – Teil 21: Weisheit (Hiob 28,15-28)
Das ganze Kapitel 28 im Buch Hiob hat die Weisheit zum Thema. Zuerst geht es um die Frage, wo die Weisheit zu finden ist. Die Suche danach kann Hiob sehr bildhaft und ausführlich beschreiben. Dann beleuchtet er den Wert der Weisheit, und schließlich bringt er die Weisheit mit Gott in Verbindung.

Der Bibeltext:

(28,15) »Man kauft sie nicht, man tauscht sie auch nicht ein, für Gold und Silber ist sie nicht zu haben,

(28,16) mit allerfeinstem Gold nicht zu bezahlen, auch nicht mit Karneolen und Saphiren.

(28,17) Mit reinstem Glas lässt sie sich nicht vergleichen, Gerät aus bestem Gold reicht nicht zum Tausch.

(28,18) Korallen und Kristalle zählen nicht, sie übertrifft an Wert sogar die Perlen.

(28,19) Der feinste Topas und das reinste Gold sind unvergleichbar mit dem Wert der Weisheit.

(28,20) Wo ist ihr Ort? Wo kommt die Weisheit her? Und wer kann sagen, wo die Einsicht wohnt?

(28,21) Kein Lebewesen hat sie je gesehen, kein Vogel hat sie je im Flug erspäht.

(28,22) Sogar der Abgrund und der Tod bekennen: ›Wir haben bloß mal von ihr reden hören.‹

(28,23) Nur Gott, sonst niemand, kennt den Weg zu ihr. Er ganz allein weiß, wo die Weisheit wohnt.

(28,24) Gott sieht die Erde bis an ihre Enden, vom Himmel aus erblickt er alle Dinge.

(28,25) Als er dem Winde seine Wucht verlieh, dem Meer sein Maß und seine Grenze gab,

(28,26) als er dem Regen Zeit und Ort bestimmte und der Gewitterwolke ihren Weg,

(28,27) da sah er auch die Weisheit, prüfte sie, erkannte ihren Wert und nahm sie auf.

(28,28) Danach gab Gott den Menschen diese Regel: ›Den Herrn stets ernst zu nehmen, das ist Weisheit. Und alles Unrecht meiden, das ist Einsicht.‹«

Eines der Themen über das wir uns neulich in unserem Männerkreis am Dienstagabend unterhielten war gerade dieses: »Die Weisheit«. Ein Mann aus unserer Mitte, Pedro, hatte erkannt, wie nötig er im Leben Weisheit brauchte: für eine harmonische Ehe, die Verwaltung seines Besitzes, sein Geschäft, die Beziehung zu seinen heranwachsenden Kindern und seinen Angestellten, für den Umgang mit Geld und Zeit und für vieles andere. Nun wollte er wissen, was wir unter Weisheit verstehen und wie man sie bekommt.

Die erfahrenen Christen unter uns hatten ihre Erklärungen, die unser Freund aber nicht richtig verstand. Er meinte, Weisheit sei doch das Gleiche wie Intelligenz. Um weise sein zu können, müsse man intelligent sein. Einige von uns protestierten. »Weisheit hat sehr wenig mit Intelligenz zu tun, « meinten sie. »Na ja« lenkte Pedro ein: »Es gehört natürlich auch Studium dazu. Man muss auch viel gelernt haben, um weise werden zu können. « »Nein, « erwiderte jemand aus unserer Runde. »Es gibt Leute, die sind sehr intelligent und haben viel studiert - und doch sind sie nicht weise. Sie treffen dumme Entscheidungen, ruinieren ihre Existenz und Gesundheit, können ihre Zeit nicht einteilen und benehmen sich wie kleine Kinder. « »Also gut« räumte Pedro ein. »Zur Weisheit gehört mehr als Intelligenz und Wissen. Vielleicht ist Weisheit dann so etwas wie Erfahrung. Menschen, die alt geworden sind und viele Erfahrungen gesammelt haben sind eben weise. Man spricht ja auch von der Weisheit des Alters. « Es gab wieder Einwände: »Auch alte Menschen mit viel Erfahrung können manchmal Fehlentscheidungen treffen und große Dummheiten machen. Wie heißt es doch im Sprichwort: ‘Alter schützt vor Torheit nicht!’«

In der Debatte kam ein anderer Gedanke auf. Fernando meinte: »Vielleicht sind die Philosophen die Weisen. Philosoph bedeutet ja »Freund der Weisheit«. Und gelegentlich sagen wir: »Der weise Aristoteles hat gesagt. Auch Sokrates, Platon, Seneca und andere Philosophen sind für ihre Weisheit bis heute bekannt. « In unserer Runde wurde es still. Die Männer dachten nach.

Philosophen beschäftigten sich mit den grundlegenden Problemen des Lebens. Laut Kant geht es in der Philosophie um die Fragen: »Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? « Das ist schon gut und hat mit Weisheit zu tun, aber wie weit uns das neue, Einsichten bringt und bei den täglichen Entscheidungen im Beruf und Familie hilft ist doch zweifelhaft.

Also gut, Weisheit ist nicht Intelligenz und nicht Studium und Wissen, es ist nicht Erfahrung und Alter, es ist nicht Philosophie, nicht Astronomie, nicht Mathematik, nicht Hellsehen und nicht Magie - und doch ist es von allem ein wenig.

Jemand unter uns kam auf die Idee, dass die Könige und Herrscher früher weise Männer bezahlten, die ihnen Rat gaben und beim Lösen schwerer Aufgaben halfen. Dabei denken wir an die Geschichten von Daniel. Daniel war ein junger Israelit aus der Oberschicht des Volkes. Als Nebukadnezar um 600 Jerusalem eroberte nahm er die wohlhabenden und gebildeten Leute mit.

Da heißt es in Daniel 1:

(1,3) »Nebukadnezzar befahl seinem Palastvorsteher Aschpenas, junge Israeliten aus der Verwandtschaft des Königs und aus den vornehmen Familien für ihn auszusuchen.

(1,4) »Sie müssen gesund sein und gut aussehen«, sagte er. »Außerdem müssen sie klug und verständig sein und eine umfassende Bildung haben, damit sie zum Dienst in meinem Palast geeignet sind. Und dann sollen sie auch unsere Sprache und Schrift lernen. «

(1,5) Drei Jahre lang sollten die jungen Leute ausgebildet werden, um dann in den Dienst des Königs zu treten. Der König ordnete an, dass sie jeden Tag Speisen und Wein von seiner eigenen Tafel bekamen.

(1,6) Unter den ausgesuchten jungen Männern aus Juda waren auch Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja.«

Diese Bibelstelle zeigt uns, dass der König seine Beamten und Ratgeber aussuchen und ausbilden ließ. Wir wissen aus der Bibel, dass Daniel und seine Freunde die Nahrungsmittel des Königs nicht essen wollten, weil sie nach jüdischem Glauben unrein waren. Als sie fertig ausgebildet waren, ließ der König sie rufen:


(1,18)»Als der Palastvorsteher sie zu dem König brachte und er sich mit ihnen unterhielt, zeigte es sich, dass Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja allen anderen überlegen waren. Sie wurden in den königlichen Dienst aufgenommen, und sooft der König in schwierigen Fragen ihren Rat suchte, merkte er, dass sie zehnmal klüger waren als alle Gelehrten und Magier in seinem ganzen Königreich.

(1,21) Daniel blieb im königlichen Dienst bis ins erste Regierungsjahr des Königs Kyrus«

Was genau die Weisen früher waren, können wir heute nicht mehr ganz nachvollziehen. Sie waren nämlich Gelehrte, Wissenschaftler, Sterndeuter- also Astrologen -, Wahrsager und Magier. Das wird auch bestätigt, wenn wir die Geschichte von der Geburt Jesu lesen. Da heißt es, dass drei Weise aus dem Morgenland kamen, um ihn anzubeten. In manchen Übersetzungen werden sie als Könige bezeichnet oder als Sterndeuter (deshalb hatten sie den Stern von Bethlehem beobachtet) oder als Magier. Auch im Buch Daniel werden diese Bezeichnungen in einem Atemzug genannt.

Da lesen wir in Daniel 2:

(2,1) »In seinem zweiten Regierungsjahr hatte König Nebukadnezzar einen Traum, der ihn so beunruhigte, dass er nicht wieder einschlafen konnte.

(2,2) Er ließ alle seine Gelehrten, Magier, Wahrsager und Sterndeuter rufen, damit sie ihm seinen Traum erklären sollten. Sie kamen und traten vor den König. «

Wir wissen, dass keiner dem König seinen Traum erzählen konnte. Darum heißt es weiter:

(2,12) »Da packte den König die Wut und er befahl, alle Weisen Babyloniens umzubringen.

(2,13) Auch Daniel und seine Freunde sollten getötet werden.«

Also gehörte Daniel zu den Weisen, die dem König mit Rat und der Lösung von Problemen zu dienen hatten. Daniel konnte die Frage des Königs aber beantworten und ihm auch die Deutung des Traumes sagen, weil ein anderer Geist in ihm war.

Noch einmal lesen wir in Daniel 5 von den Weisen: Diesmal handelte es sich um die Flammenschrift an der Wand, die keiner der anderen Weisen lesen konnte. Da sagte einer:

(5,11) »Es gibt in deinem Reich einen Mann, der vom Geist der heiligen Götter erfüllt ist. Zur Zeit deines Vaters Nebukadnezzar zeigte sich, dass in ihm so viel Erleuchtung und Einsicht und Weisheit sind, wie sie sonst nur die Götter haben. Dein Vater machte ihn zum ersten seiner Ratgeber, der Weisen, Wahrsager, Magier und Sterndeuter. «

In Daniel war ein anderer Geist. Das ist die Antwort. Richtige Weisheit kommt nicht von Schulen und Lehrern, nicht von Intelligenz und vom Nachdenken und Forschen, die richtige Weisheit ist nicht von dieser Welt sie kommt von Gott - oder genauer: von Gottes Geist.

Im Neuen Testament erklärt uns Jakobus wie wir Weisheit erlangen können und woher sie kommt. Das heißt es: »Wenn es aber unter euch welche gibt, die nicht wissen, was sie in einem bestimmten Fall tun müssen, sollen sie Gott um Weisheit bitten, und Gott wird sie ihnen geben. Denn er gibt sie allen gerne, ohne ihnen Vorwürfe zu machen.« (Jakobus 1,5).

Die Weisheit kommt also direkt von Gott, sie wird uns gegeben und nicht erworben. Wir müssen darum bitten! Das sind schon mal wichtige Hinweise für Ursprung und Wesen der wahren Weisheit.

Im ersten Korintherbrief bringt uns Paulus auf noch einen anderen Gedanken: »Euch aber hat Gott zur Gemeinschaft mit Jesus Christus berufen. Mit ihm hat er uns alles geschenkt: Er ist unsere Weisheit – die wahre Weisheit, die von Gott kommt. « (1. Korinther 1,30)

Hier sagt er doch, dass die Weisheit eine Person ist. Wenn wir also Jesus und seinen Lehren folgen, besitzen wir die Weisheit; mehr noch, wenn wir Jesus in unser Leben aufnehmen, dann wohnt er in uns - und mit ihm die göttliche Weisheit. Im Kolosserbrief wird das noch einmal gesagt: »In ihm (Jesus) sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. « (Kolosser 2,3).

Deshalb glaube ich, dass wir eine Wiedergeburt brauchen. In der Wiedergeburt schenkt Gott uns ein neues Leben. Das habe ich selbst sehr eindrücklich und radikal erlebt. Als ich Jesus einlud Herr und Führer meines Lebens zu werden veränderte sich plötzlich sehr viel. Ich hatte auf einmal ganz andere Interessen. Wo mir Bibel und Gottesdienst vorher ziemlich langweilig und unbedeutend vorkamen, gewannen sie jetzt eine zentrale Bedeutung. Ich las jeden Tag in der Bibel und ich merkte, wie die Worte lebendig wurden und zu meinem Herzen sprachen. Sie bewirkten eine große Freude in mir. Bald war das nicht genug, ich wollte auf einer Bibelschule konzentriert lernen, was Gottes Wort uns zu sagen hat. Was ich über Gott erfahren hatte, wollte ich anderen mitteilen

Die Ziele meines Lebens hatten sich verändert. Wo ich früher versuchte, eine interessante Arbeit, ein gutes Arbeitsklima und einen angemessenen Lohn zu bekommen, wollte ich auf einmal dem Herrn dienen. Vielleicht Missionar, Prediger, oder Evangelist werden - ein Beruf, der früher für mich überhaupt nicht infrage kam. -

Meine Bekehrung oder Wiedergeburt geschah nicht unmerklich und theoretisch. Viele Leute registrierten den Unterschied. Zuerst meine Mutter. Sie wunderte sich, was auf einmal mit mir passiert war. Dann auch meine Freunde. Manche waren erstaunt, verständnislos und andere schockiert. Ich gewann aber schnell neue Freunde, mit denen ich vielleicht früher nie gesprochen hätte, die mir einst als „Ducker“ oder Schwächlinge vorgekommen waren. Nun sah ich ihren Wert, ihre Liebe, ihr Verständnis, ihren Weitblick und ihre Weisheit.

Als Jesus in mein Herz kam, begann ein neuer Geist in mir zu wirken. Die Gemeinschaft mit Jesus veränderte mich; denn er ist anders als Menschen. Sein Denken und Urteilen, Sein Wünschen und Handeln prägte auch meine Sicht, meine Einstellung und mein Verständnis. In diesem Sinne verstehe ich was Paulus im 1. Kor. 1, 30 sagt (nach Luther) »30 Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung,« Bei Jesus ist Weisheit für uns, ja mit ihm wohnt die Weisheit in uns.

Mit anderen Worten drückt es Paulus noch einmal so aus: Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. Dann könnt ihr euch ein sicheres Urteil bilden, welches Verhalten dem Willen Gottes entspricht, und wisst in jedem einzelnen Fall, was gut und gottgefällig und vollkommen ist. « (Römer 12, 2).

Weisheit ist ein von Jesus verändertes Denken, eine neue Sicht der Dinge. Dadurch können wir uns ein sicheres Urteil bilden und wissen in jedem einzelnen Fall, was gut, richtig und vollkommen ist. Somit ist Weisheit ein durch Jesus verändertes Denken und Handeln. Weisheit ist Gott und seinen Willen und Rat zu erkennen und zu befolgen.

Hiob fragt in Kapitel 28 als er über die Weisheit nachdenkt: »Wo ist ihr Ort? Wo kommt die Weisheit her? Und wer kann sagen, wo die Einsicht wohnt? Kein Lebewesen hat sie je gesehen, kein Vogel hat sie je im Flug erspäht. Sogar der Abgrund und der Tod bekennen: ›Wir haben bloß mal von ihr reden hören.‹ Nur Gott, sonst niemand, kennt den Weg zu ihr. Er ganz allein weiß, wo die Weisheit wohnt. Gott sieht die Erde bis an ihre Enden, vom Himmel aus erblickt er alle Dinge. « und in Vers 28 sagt er: ›Den Herrn stets ernst zu nehmen, das ist Weisheit. Und alles Unrecht meiden, das ist Einsicht.‹«

Wir beten:
Herr, wie oft brauchen wir Weisheit für unsere Entscheidungen, für den Umgang mit anderen Menschen, und für das Erkennen Deines Willens. Danke, dass wir bei Dir die göttliche Weisheit finden können. Amen.

Rüdiger Klaue

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