Montag, 21. Juli 2014
Du stehst am Platz, den Gott dir gab
Du stehst am Platz, den Gott dir gab,
dem Platz, den Er dir zugedacht;
nur dort bleibt Er dein Schild und Stab,
dort gibt Er Frucht, dort wirkt er Macht.

Will Er dich segnen, sucht Er dich
nicht in der ganzen weiten Welt;
Er sucht dich nur an deinem Platz
dem Platz, wo Er dich hingestellt.

Bleib auf dem Platz, den Gott dir gab,
und halte da in Treue aus:
ist es ein Kreuz, steig nicht herab;
ist's Schmelzersglut, weich ihr nicht aus!

Blick auch nicht seufzend rechts und links,
scheint er verborgen, irdisch, klein;
auf diesem Platz, den Gott dir gab,
will Er durch dich gepriesen sein.

Bedenk's, den Platz, den Gott dir gab,
kann niemand füllen als nur du;
es ist nicht gleich, ob du dort stehst,
denn grade dich braucht Er dazu.

Nimm täglich ihn aus Gottes Hand,
den Platz, den seine Liebe gab;
was sich an eignen Plänen fand
bei dir noch, senks in Christi Grab!

Brich dir nicht selbst die Krone ab,
sag niemals deinem König: Nein!
Nur auf dem Platz, den Er dir gab,
wird seine ganze Fülle dein.

Ja, auf dem Platz, den Er dir gab,
da jauchze du Ihm fröhlich zu,
daß jeder sieht: Sein Wille ist
dir Leben, Herrlichkeit und Ruh.

Sieh, wenn Er kommt, sucht Er auch dich
nicht in der ganzen weiten Welt;
Er sucht dich dort nur sicherlich,
wohin Er selber dich gestellt.

Und dann - o selger Freudentag!
Wenn Er an deinem Platz dich fand,
versetzt Er dich, gibt dir den Platz
auf einem Thron im Heimatland

Hedwig von Redern (1866 - 1935)

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