Sonntag, 30. August 2015
Wunder Jesu – Teil 5
Der Mann mit der gelähmten Hand (Markus 3 :29-31 )

Eine weitere Wunderheilung, die die Bibel uns von Jesus berichtet, finden wir im dritten Kapitel des Markusevangeliums. Diese Heilung an einem Mann mit einer gelähmten Hand geschah in der Synagoge, dem Versammlungshaus der Juden.

Auch diesmal waren viele Menschen zugegen, als das Wunder geschah. Sie alle können die Geschichte bezeugen. Doch einige Umstände waren bei dieser Heilung anders als bei den Vorhergehenden. Allem Anschein nach ging es Jesus hier darum, den Anwesenden – und besonders den Theologen und Bibelkundigen - eine Lektion zu erteilen.

Es ärgerte Jesus manchmal, dass die Gläubigen seiner Zeit so gesetzlich waren und so eisern an ihren Traditionen festhielten. Dabei wurden sie hart gegen die Nöte ihrer Mitmenschen. Anstatt Liebe zu zeigen und zu helfen, hielten die frommen Leute an den Regeln, Ordnungen und Traditionen ihrer Religion und Kultur fest. Sie waren erstarrt in einer Form und hatten das eigentliche Anliegen Gottes vergessen.

Markus berichtet: „In dieser Synagoge war auch ein Mann mit einer gelähmten Hand. Einige der Anwesenden hätten Jesus gerne angezeigt, darum beobachteten sie ihn genau, ob er es wagen würde, den Mann am heiligen Ruhetag zu heilen. Jesus sagte zu ihm: „Steh auf und komm her.“ Soweit Markus.

Nun stand der Mann in der Mitte der Versammlung und aller Augen waren auf Jesus und den Gelähmten gerichtet. Jetzt fragt Jesus: „Darf man (nach dem Gesetz) einem Menschen am Sabbat, dem Ruhetag, das Leben retten?“ – Diese Frage war unter den Frommen oft ein Diskussionsthema, das von den Theologen aber so gelöst wurde, dass sie jegliche Arbeit – auch das Heilen – am Sabbat verboten.

Nachdem Jesus dieses heiße Thema selbst angeschnitten hatte, sagte er plötzlich zu dem Gelähmten „Strecke Deine Hand aus!“ Er streckte sie aus, und sie wurde augenblicklich wieder gesund. – Damit hatte Jesus seine Interpretation der Gebote Gottes in dieser Sache sehr anschaulich zum Ausdruck gebracht. Jetzt wussten alle, dass Jesus und Gott die Gesundheit und das Heil eines Menschen wichtiger war, als die Einhaltung der Sabbatruhe.

An diesem Bericht fällt uns folgendes auf.

1.- Der Kranke war bei dieser ganzen Geschichte ziemlich unbeteiligt. Er war nicht zu Jesus gekommen, hatte auch nicht um einen Gefallen gebeten. Er stand einfach da in der Versammlung, als Jesus ihn zu sich rief. Wir wissen nicht einmal, ob der Mann überhaupt an Jesus glaubte, ob er zweifelte oder ob er ein Gegner Jesu war. Daraus können wir ableiten, dass es nicht unbedingt der Glaube ist, der kranke Menschen gesund macht, nicht ihre Bitten und Flehen oder ihre Bemühungen, sondern einzig und allein das Machtwort Jesu.

2.- Der Mann mit der gelähmten Hand gehorchte Jesus. Als der Herr sagte: „Steh auf und komm her!“ Da folgte der Mann. Jesus hatte Autorität, und das war dem Kranken sicher sofort klar. Deshalb tat er, was Jesus sagte. Hätte er sich auch weigern können? Ich glaube schon, denn jeder Mensch hat seinen freien Willen. Er kann Jesus gehorchen, oder er kann es bleiben lassen.

3.- Nachdem Jesus den Versammelten die Frage gestellt hatte, ob man am Sabbat auch Gutes tun dürfe, sagte er zu dem Mann: „Streck deine Hand aus“. Das war nun etwas peinlich für den Mann. Sollte er seine schwache Stelle, seine verkrüppelte Hand, öffentlich allen Zuschauern zeigen? Sollte er sich als Gegenstandslektion gebrauchen lassen? Wir wissen nicht, was in diesem Mann vor sich ging. Aber sicher kam alles ziemlich überraschend und er hatte nicht viel Zeit zu überlegen.

Er streckte seine Hand aus, so dass alle sie sehen konnten. Und plötzlich, vor aller Augen, wird die Hand geheilt. Es war deutlich, dass Jesus hier die Gesetze der Natur durchbrach und allein durch sein Wort und seine Kraft Heilung schenkte.

4.- Was der Mann gedacht und empfunden hat, bleibt ungewiss. Jedenfalls hat er sich nicht bei Jesus bedankt und ist ihm auch nicht nachgefolgt. Sicher hat er sich hinterher gefreut, dass er seine gelähmte Hand jetzt wieder gebrauchen konnte. Aber nicht einer von den Anwesenden, nicht einmal der Geheilte, haben irgendeine positive, freudige, dankbare Reaktion gezeigt, im Gegenteil: Die meisten Gottesdienstbesucher schienen empört und ärgerlich über Jesu Handlungsweise gewesen zu sein.

Darum denke ich, dass es Jesus bei seinen Wundern und Heilungen gar nicht darum ging, selber verehrt zu werden. Seine Werke waren manchmal einfach eine Lektion für seine Zeitgenossen und für alle, die ihm nicht glauben wollten.

5.- Die Handlungsweise Jesu war einesteils eine Lehre für die Hüter der Tradition und der Gesetze, dass sie mehr Menschlichkeit zeigen sollten. Zum anderen war die Tat Jesu ein Anschauungsunterricht, wie wahrhaftiger Gottesdienst auszusehen hatte: nämlich Liebe zu üben und den Bedürftigen zu helfen.

6.- Jesus hatte bestimmt Mitleid mit dem verkrüppelten Mann. Er sah ihn sofort in der Menschenmenge. Und ich bin sicher, er wollte auch dem Kranken helfen. Jesus sah die hilfsbedürftigen Menschen, er liebte sie und wollte ihr Bestes. Das hat er in vielen anderen Begegnungen immer wieder bewiesen.

Auch wir dürfen damit rechnen, dass Jesus unser Leid sieht und dass er uns helfen möchte, selbst wenn manchmal die Motive für sein Handeln von Konflikten und Konfrontationen mit seinen Feinden überschattet werden. Und wünschen wir uns nicht alle, dass Jesus zu uns käme und ohne uns vorher zu fragen und zu examinieren, uns einfach so von allen unseren Belastungen und Behinderungen heilen würde?

Ein Gebet zum Abschluss:
Herr Jesus wir wissen, dass Du uns liebst und es gut mit uns meinst. Du weißt um unsere Rückhalte, Verklemmungen und Befürchtungen. Wir danken Dir, dass Du auch den Schüchternen, den Zurückhaltenden und den Ängstlichen anrühren und befreien kannst. Amen.

Rüdiger Klaue

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