Sonntag, 30. August 2015
Wunder Jesu – Teil 4
Vier Männer bringen einen Gelähmten. (Markus 2 :29-31)

Jesus vollbrachte während seiner Erdenzeit viele Wunder und Krankenheilungen. Eigentlich war das aber gar nicht sein Hauptanliegen. Er kam, um zu Sterben und durch seinen Tod uns zu erlösen. Die Wunder tat er mehr nebenbei. Einmal konnte er damit seine Macht als Gottes Sohn beweisen. Zum andern war es eine Legitimierung, dass er wirklich von Gott kam und die Wahrheit sagte. Die Krankenheilungen zeigen uns in besonderer Weise, dass Jesus Mitleid mit den Menschen hatte und ihnen helfen wollte.

Die Geschichte, die Markus uns über die Heilung eines Behinderten erzählt, ist etwas länger und recht dramatisch mit einigen Überraschungen. Markus sagt, dass viele Menschen zusammenströmten, als sie erfuhren, dass Jesus in Kapernaum war. Es war kein Platz mehr im Haus wo Jesus sprach, nicht einmal draußen vor der Tür.

Nun heißt es im Markusevangelium wörtlich. „Da brachten vier Männer einen Gelähmten herbei, kamen aber wegen der Menschenmenge nicht bis zu Jesus durch. Darum stiegen sie aufs Dach, gruben die Lehmdecke auf, genau an der Stelle, wo Jesus war. Dann ließen sie den Gelähmten auf einer Matte durch das Loch hinunter. Als Jesus sah, wie viel Vertrauen sie hatten, sagte er zu dem Gelähmten: ‚Deine Schuld ist dir vergeben.‘“-

Diese Antwort Jesu war natürlich eine unerwartete Reaktion. Man hätte Ablehnung oder Zurechtweisung von Jesus erwarten können, oder aber gleich ein Wort, das die Heilung des Gelähmten eingeleitet hätte. Aber Jesus spricht hier von Sünden und Vergebung. –

Es gab auch unter den anwesenden Theologen sofort eine Diskussion wegen Jesu seltsamer Aussage „Deine Schuld ist Dir vergeben.“ Aber am Schluss sagt Jesus zu dem Gelähmten dann doch noch diese Worte: „Ich befehle Dir: Steh auf, nimm Deine Matte und geh nach Hause!“ Der Mann stand auf, nahm seine Matte und ging. Alle, die es sahen, waren ganz außer sich, sie priesen Gott und sagten: „So etwas haben wir noch nie erlebt!“

Auch von dieser Heilung, der vierten, die Markus schon gleich zu Beginn seines Evangeliums berichtet, möchten wir einige Einzelheiten festhalten.

1.- Jesus predigte und lehrte die Menschen in einem Privathaus. Er war nicht gekommen, um Heilungen durchzuführen und Wunder zu vollbringen. Er predigte einfach. Und doch war das Haus so überfüllt, dass die Zuhörer bis auf die Straße standen. Das zeigt mir, dass Jesus die Wunder und Heilungen nicht unbedingt als ein Lockmittel brauchte, um die Mengen anzuziehen. Die Leute kamen, um ihn zu sehen und seine Erklärungen und Reden zu hören. Jesus hat nie mit der Ankündigung von Heilungskampagnen Werbung für sich oder seine Botschaft gemacht.

2.- Nun wird ein Behinderter zu Jesus gebracht. Dieser Gelähmte konnte selbst nicht gehen und wurde von vier Freunden getragen. In dem Bericht sieht es ganz so aus, als ob die Freunde des Kranken die Initiative in dieser Sache hatte. Sie glaubten an die Autorität und die Macht Jesu und daran, dass er den Kranken heilen konnte. Hier waren sich also 5 Leute einig geworden, dass Sie Hilfe bei Jesus suchen wollten. Es war sozusagen Teamwork.

3.- Den Hilfesuchenden stellen sich unerwartete Schwierigkeiten entgegen, die sie aber mit aller Entschlossenheit und großem Einsatz überwinden. Die vier Männer geben nicht auf, auch als sie sehen, dass es fast unmöglich ist, vor Jesus zu kommen. So graben sie das Dach auf und lassen den Kranken an Stricken hinunter. Wer sich durch die Umstände davon abhalten lässt. Jesus zu erreichen, wird eben nicht bekommen, was er sucht. Das wussten die vier Freunde genau.

4.- Jesus empfindet diese Handlungsweise nicht als ungebührlich -- im Gegenteil: Als der Gelähmte unten ankommt, wendet er ihm seine ganze Aufmerksamkeit zu. Er erkennt den Glauben und das Vertrauen dieser 5 Männer an und reagiert positiv darauf. Jesus belohnt die im Glauben vollbrachten Handlungen immer, auch wenn dabei einmal ein Dach kaputt geht.

5.- Das Anliegen des Kranken und seiner Freunde wurde in diesem Fall öffentlich in Gegenwart von vielen Fremden vorgebracht. Es muss beschämend für den Behinderten gewesen sein, plötzlich mit seiner Schwäche im Mittelpunkt einer Versammlung zu sein. Aber nur dadurch, dass er bereit war, sich mit seiner Krankheit öffentlich bloßzustellen, und sich zu Jesus zu bekennen, konnte er geheilt werden.

6.- Was uns an diesem Bericht sehr verwundert sind die Worte Jesu: „Deine Schuld ist Dir vergeben!“ – Das war aber gar nicht das Anliegen des Mannes. Er wollte nicht Vergebung, sondern Heilung. War es nicht eine öffentliche Beleidigung, zu diesem von Schmerzen geplagten Mann von Sünde zu reden? –

Aber vielleicht hatte Jesus wirklich recht? Auch ein Kranker ist ein Sünder! Dabei will ich nicht einmal behaupten, dass die Behinderung durch einen unsoliden Lebenswandel, durch falsche Ernährung oder durch irgendeine Sucht entstanden sei. Aber bestimmt hatte der Behinderte mit manchen Sünden zu kämpfen: Da war Unzufriedenheit, Undankbarkeit und Neid auf die Gesunden in seinem Herzen.

Vielleicht hatte er seine Familienangehörigen oft ungerecht beschuldigt oder beschimpft. Vielleicht hasste er die Gesunden und war in seinem Herzen bitter gegen seine Mitmenschen und gegen Gott geworden. Zu einer integralen Heilung dieses Behinderten gehörte nun auch die Heilung der Seele. Das erkannte Jesus sofort.

7.- Durch den Zuspruch der Vergebung hatte der Mann zwar ein reines, neues Herz bekommen, aber seine Lähmung war geblieben. Wahrscheinlich hatte er in diesem Moment mit einer bodenlosen Enttäuschung zu kämpfen – oder vielleicht nicht? Es kann sein, dass es ihm jetzt schon gar nicht mehr wichtig war, ob er sich auch noch bewegen könnte oder nicht.

8.- Gewissermaßen als Zugabe und als Beweis für seine göttliche Autorität heilt Jesus den Mann.

9.- Jesus gibt dem Gelähmten einen Befehl, den dieser ja gar nicht ausführen kann. „Nimm Deine Matte und geh nach Hause!“ Aber indem er anfängt zu gehorchen, wird er gesund. Ungehorsam hätte jetzt noch die Heilung verhindert.

Wir können vieles aus dieser Geschichte über die Voraussetzungen erfahren, die jemand erfüllen muss, der Hilfe von Gottes Sohn erfahren möchte.

Ein Gebet zum Abschluss:
Herr Jesus Dir sei dank, dass Du den kranken Menschen von Grund auf heilen kannst, an Leib, Seele und Geist. Und wir danken Dir, dass Du das Vertrauen und den Gehorsam des Hilfsbedürftigen so belohnst. Amen.

Rüdiger Klaue

Weitere Predigten von Rüdiger Klaue findest Du unter http://www.rklaue.com/

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