Mittwoch, 3. Juli 2013
Die andere Seite des Flusses
Es war einmal ein kleines Mädchen, das immer gerne bei seiner Oma saß. Doch eines Tages starb die Großmutter und das Mädchen fühlte sich einsam und von aller Welt verlassen. Da machte es sich auf, um nach jemanden zu suchen, der es mindestens genauso lieb hatte, wie einst seine Großmutter.

Sie kam an einen Bach. Aber der Bach war so tief, dass ihre kleinen Füße den Bach nicht überqueren konnten. Da sah sie einen alten Mann und fragte ihn: „Kannst Du mir helfen?“ „Warum sollte ich,“ brummte der Alte und ging davon.

Das Mädchen ging weiter am Bach entlang und bald merkte sie, dass der kleine Bach nun zu einem Fluss wurde. Wie sollte sie nun hinüber kommen? Da traf sie einen Holzfäller und hatte eine Idee: „Lieber Holzfäller, kannst Du mir bitte einen Deiner Stämme geben, damit ich ihn über den Fluss legen kann, um so auf die andere Seite zu kommen?“ Der Holzfäller schimpfte nur. „Das kommt nicht in Frage! Das Holz darf nicht nass werden. Such Dir einen anderen Weg.“ Traurig ging das Mädchen weiter.

Da traf sie eine Bäuerin. „Liebe Frau, kannst Du mir sagen, wie ich auf die andere Seite des Flusses gelangen kann?“ „Du freche Göre. Lass mich in Ruhe. Ich bin beschäftigt. Ich habe keine Zeit für Dich.“ Sie drehte sich um und ließ das kleine Mädchen einfach stehen.

Die Kleine setzte sich hin und weinte bitterlich. Keiner zeigte auch nur etwas Liebe. Keiner war bereit, ihr zu helfen.

Da sah sie auf einmal einen kleinen Jungen. Der Junge schaute auf und sah ihre Tränen: „Was ist los?“, fragte er. „Warum weinst Du?“ „Ich weine, weil keiner mich lieb hat. Keiner will mir helfen, jeder schubst mich nur weg.“ Der kleine Junge sagte: „Ich weiß, so sind sie, die Menschen auf dieser Seite des Flusses. Jeder sieht nur sich. Keiner will dem anderen helfen. Auf der anderen Seite des Flusses ist das anders: Da ist jeder für den anderen da, man hilft sich gegenseitig.“ „Das klingt ja superschön. Aber wie komme ich auf die andere Seite des Flusses? Ich habe schon so vieles versucht, aber ich finde einfach keinen Weg!“ „Es gibt nur einen Weg und der ist einsam und schmal und nur schwer zu finden. Komm mit, ich will ihn Dir zeigen.“

Da machten sich nun die beiden Kinder gemeinsam auf den Weg. Der Weg wurde immer enger und immer steiler, so wie der kleine Junge gesagt hatte. Für das kleine Mädchen war es nicht leicht, ihm da hinterher zu kommen.

Auf einmal blieb der Junge stehen und sagte: „Jetzt musst Du alleine weitergehen. Aber es ist nicht mehr weit.“ Er erklärte der Kleinen den Weg und verschwand so plötzlich, wie er auch gekommen war.

Die Kleine ging weiter. Da sah sie es: Der Fluss war immer gewaltiger geworden. Auf beiden Seiten war er von einer Felsenschlucht umgeben und oberhalb der Schlucht war eine Händebrücke befestigt, so klein und zart, dass nur ein Mensch hier allein passieren konnte. Aber der Junge hatte die Wahrheit gesagt. Jetzt konnte sie den Fluss überqueren.

An der Hängebrücke war ein Schild befestigt: „Vertraue mir, ich bin der einzige Weg.“ Schritt für Schritt ging das Mädchen weiter, sehr langsam und sehr vorsichtig. Sie hatte Angst, in den Fluss hinabzustürzen. Aber sie traute der Hängebrücke und schließlich gelangte sie an das andere Ufer.

Aber was war das? Hier sah es ja ganz anders aus! Überall waren hübsche Blumen und kleine Bienen summten fröhlich. Die Vögel zwitscherten Lieder, die das Herz des kleinen Mädchens anrührten. „Wo bin ich nur?“, fragte sie sich.

Da traf sie einen Gärtner, der weitere Blumen pflanzte. „Du bist Zuhause angekommen“, sagte er freundlich. „Zuhause?“, fragte die Kleine. „Ich war doch noch nie hier.“ „Ich weiß“, sagte der Gärtner. „Aber Deine Großmutter hat Dir von hier erzählt.“ Da wunderte sich die Kleine. „Du kennst meine Großmutter?“ „Ja, natürlich kenne ich sie, und sie sagte mir, ich soll Dir sagen, dass sie Dich sehr lieb hat.“ „Ja, lebt sie denn noch?“, wunderte sich das kleine Mädchen immer mehr. „Natürlich lebt sie, sie wohnt auch auf dieser Seite des Flusses, aber Du kannst sie noch nicht sehen.“ „Das verstehe ich nicht“, sagte die Kleine. „Das kannst Du auch noch nicht, gehe nur einfach weiter, und mit der Zeit wirst Du mich verstehen.“ Dann war er auf einmal verschwunden. Die Kleine zuckte mit den Achseln und ging weiter.

Da traf sie zwei Fischerinnen. Sie saßen am Fluss und wuschen ihre Netze. Dabei halfen sie sich gegenseitig. „Hallo, ihr beiden“, grüßte das kleine Mädchen. „Hallo, wir haben auf Dich gewartet. Komm und setz Dich.“ Das Mädchen wusste nicht, wie ihr geschah. Sie setzte sich hin und die beiden Frauen servierten ihr ein wunderbares Essen. Sie kam aus dem Staunen nicht heraus. „Wir wissen, dass Du hungrig bist. Deshalb genier Dich nicht und esse bis zu satt bist.“ Das ließ sich die Kleine nicht zweimal sagen, schließlich war sie wirklich hungrig und das Essen schmeckte ausgezeichnet.

Nach dem Essen legte sie sich einfach hin und schlief ein. Sie kannte zwar die Menschen hier nicht, aber seit dem Tod ihrer Großmutter hatte sie endlich wieder Menschen gefunden, die sie liebten. Deshalb vertraute sie ihnen blind und entschied sich bei ihnen zu bleiben.

Die Jahre vergingen. Sie lebte glücklich und zufrieden bis sie selbst zu einer alten Frau wurde wie ihre Großmutter, dann starb sie.

Nach ihrem Tod wurde ihr bewusst, dass sie sich noch immer auf der anderen Seite des Flusses befand und auf einmal sah sie ihre eigene Großmutter wieder. „Mein Kind, ich habe Dich so sehr geliebt, jetzt habe ich Dich endlich wieder!“ Das kleine Mädchen, das nun selbst eine alte Frau war, verstand die Welt nicht mehr. Sie schaute ihre Großmutter an und sagte: „Oma, kannst Du mir bitte sagen, was hier los ist?“ Die beiden setzten sich, und die Oma erklärte ihrer Enkelin was geschehen war.

„Erinnerst Du Dich noch an die Worte der Hängebrücke?“, fragte sie. „Ja, vertraue mir, denn ich bin der einzige Weg.“ Da erklärte ihr die Großmutter, dass sie ihr Leben lang für ihre Enkelin gebetet hatte, so dass sie den Weg zu Gott fand. Die Enkelin machte sich nach dem Tod der Großmutter auch auf den Weg. Aber es fand den Weg zu Gott einfach nicht, bis ihr der Junge den schmalen, engen Weg zeigte.

Da verstand sie auf einmal, dass Jesus sagte: „Vertraue mir, ich bin der einzige Weg.“ Als sie das hörte, fing sie an, an Jesus zu glauben.

Die Fischerinnen gaben ihr zu essen, das Essen stand jedoch auch für die geistliche Nahrung, und die Fischerinnen waren gute „Menschenfischer“ und wussten, wie sie die Kleine mehr und mehr zu Jesus brachten und sie ihm näher kam.
Da verstand die Enkelin auf einmal, dass die Gegenwart Gottes diese Welt so friedlich und liebevoll machte. Jetzt verstand sie auch den Gärtner, der einst von ihrer Oma sprach. Sie erkannte, dass sie nun selbst nach ihrem Tod beim Herrn war, so wie viele Jahre vor ihr schon ihre Großmutter heimgegangen war. Gemeinsam dürfen sie nun die Ewigkeit beim Gott verbringen.

Ich frage nun Dich als Leser dieser Geschichte, bist Du auch bereit, Dich auf den Weg zu machen und Gott zu suchen?

Das kleine Mädchen suchte einfach jemanden, der es lieb hatte. Weißt Du, dass es keinen gibt, der Dich so sehr liebt hat, so wie Gott Dich liebt? Gott war bereit, sein Fleisch und Blut für Dich zu geben. Er liebt Dich mehr als Du Dir überhaupt vorstellen kannst.

Jesus ist die Brücke, die Dich zum Vater führen wird. Bist Du bereit, für die andere Seite des Flusses? Bist Du bereit, für ein Leben mit Gott. ER wartet schon auch Dich… Komm und mache Dich auf den Weg…


Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg,
der zum Leben führt,
und wenige sind es, die ihn finden!

Matthäus 14,7

...bereits 1665 x gelesen