Donnerstag, 23. Februar 2017
Predigtreihe über Amos– Teil 15 (Amos 9, 11 – 15)
Was müssen wir anstellen, damit unser z.T. verpfuschtes Leben ein gutes Ende findet? Ist es möglich, nach vielen Übertretungen und Fehlern doch noch die Herrlichkeit Gottes zu sehen? Was können wir tun, um in den Himmel zu kommen? Darum geht es, wenn wir jetzt den letzten Abschnitt aus dem Buch des Propheten Amos lesen.

Der Prophet hat vieles zu sagen gehabt, was seinen Zeitgenossen gar nicht gefiel. Es gab Ungerechtigkeit und Gewalt im Volk, Betrug und Stolz. Amos hat es gesehen. Deutlich hat er den Einwohnern gesagt, was verkehrt war, und wie es sein sollte. Er hat Gottes Gesetz wieder ins Gespräch gebracht und es ausgelegt. Die Resonanz des Volkes war eher negativ: Gleichgültigkeit, Ausreden, freche Anschuldigungen und Angriffe.

Amos musste sich viel gefallen lassen und alle Arten Widerstand hinnehmen. Das brachte ihn aber nicht zum Schweigen. Mit Mut und Ausdauer verkündigte er dem Volk das Gericht und die geplanten Strafen Gottes. – Am Ende seines Buches nun hat er eine sehr positive Verheißung. Man kann es fast nicht glauben, dass nach all den Drohungen, Anklagen, Strafreden und Gerichtsankündigungen noch so viel Liebe und Erbarmen bei Gott ist. Er verspricht dem Volk großen Segen und eine herrliche Zukunft. „Ende gut, alles gut“ – kann man hier sagen.

Aber was war es eigentlich genau, was zu diesem guten Ende führte? Darüber wollen wir uns heute Gedanken machen.


Der Bibeltext:
(9,11) Der Herr sagt: »Es kommt der Tag, an dem ich die verfallene Hütte Davids wieder aufrichten werde. Ich maure die Risse zu und ziehe die eingestürzten Mauern hoch, sodass das Haus Davids in alter Pracht wieder ersteht.

(9,12) Die Leute von Israel werden dann den Überrest von Edom in Besitz nehmen und ebenso alle Nachbarländer, über denen einst mein Name ausgerufen wurde. Ich, der Herr, sage das und werde es auch tun.

(9,13) Es kommt eine Zeit - sagt der Herr -, da werden die Schnitter schon zur Ernte antreten, kaum dass der Pflüger seine Arbeit beendet hat, und an die Weinlese schließt sich sogleich die nächste Aussaat. Es wird so viele Trauben geben, dass ihr Saft die Berge und Hügel herabfließt.

(9,14) Dann werde ich für mein Volk alles wieder zum Guten wenden. Die Leute von Israel werden die zerstörten Städte wieder aufbauen und auch darin wohnen, sie werden Weinberge anpflanzen und den Wein davon trinken, werden Gärten anlegen und essen, was darin wächst. 15 Ich werde mein Volk wieder in das Land einpflanzen, das ich ihm gegeben habe, sodass es niemand mehr herausreißen kann.« Das sagt der Herr, euer Gott.

Davids Hütte war verfallen, d.h. dass die Pracht und Stärke, die noch unter den Königen David und Salomo die Nation auszeichneten, verschwunden waren. Die Schutzmauern waren sowohl tatsächlich als auch bildlich eingestürzt, und voller Risse. Das Land hatte seinen Zusammenhalt, seine militärische Macht, seine Ressourcen verloren und aufgebraucht.

Was übrig blieb waren Trümmer und eine geschwächte Nation. Das waren die Folgen der Gesetzesübertretungen, der Korruption und eines Lebens ohne Gott. Was hat nun dazu geführt, dass der Prophet seinen Ton ändert, dass er Widerherstellung und Segen verspricht?

Was ist passiert, dass Gott nun doch am Ende seinem Volk einen Tag des Glückes und Segens verhießen kann? Zunächst einmal freuen wir uns über diese Wende zum Guten. Es war eine lange Wanderung des Volkes Israel von den ersten Tagen aus Abrahams Zeit an bis hierher. Viel war geschehen: Gutes und Trauriges.

Es hatte Zeiten der Sklaverei und der Unterdrückung gegeben, und dann eine von vielen Wundern begleitete Befreiung. Es gab Siege und Eroberungen aber auch Versagen und Niederlagen. Viele Menschen waren auf der Strecke geblieben, viel Land ging wieder verloren. Es kam zu Kämpfen mit den Nachbarvölkern und zu Streit und Ungerechtigkeit im eigenen Volk. Die Wanderung bisher war von viel Leid, Fehlern, Strafen und Katastrophen gekennzeichnet, von Gottes Belehrungen, Ermahnungen und Drohungen aber auch von Wundern, Gottes Beistand und Durchhilfe.

Nun sagt Amos: »Es kommt der Tag, an dem ich die verfallene Hütte Davids wieder aufrichten werde. Ich maure die Risse zu und ziehe die eingestürzten Mauern hoch, sodass das Haus Davids in alter Pracht wieder ersteht.“ –

Alles soll wieder gut werden. Die Schäden werden ausgebessert, die Mauer errichtet, die Paläste neu aufgebaut. Außerdem sollen die Felder so reichlich Frucht bringen, dass man fast nicht weiß, wohin mit den Erträgen. Es wird wieder Nahrung die Fülle geben und Wohlstand einkehren. Und Gott verspricht auch, Israel wieder sicher in seinen Grenzen wohnen zu lassen, wenn er sagt: „Ich werde mein Volk wieder in das Land einpflanzen, das ich ihm gegeben habe, sodass es niemand mehr herausreißen kann.« All diese Segnungen und guten Zusagen deuten auf eine bessere Zukunft für das Volk Israel hin. Vor allem sind sie aber auch ein Bild davon, was Gott am Ende der Zeiten für alle Menschen bereit hält, die zu ihm gehört haben.

In der ewigen Herrlichkeit wird es uns an nichts fehlen, wir werden sicher wohnen in dem Land, in der Stadt oder der Wohnung, die Gott für uns aus Liebe vorbereitet hat. Alle Mühen und Plagen, alle Ängste und Kämpfe, alle Sünden und Fehler sind dann vergessen. Der Tag des Herrn bringt die Veränderung.

Wir merken schon, dass die Veränderungen durch den HERRN geschehen werden. Er sagt: Es kommt der Tag, an dem ICH, die verfallene Hütte Davids aufrichten werde. ICH maure die Risse... ICH werde mein Volk wieder in das Land einpflanzen“. Was, oder besser WER die Geschichte Israels zu einem guten Ende führen wird, ist der Herr der ganzen Welt. Es sind nicht die Verdienste oder das Werk der Menschen, es ist nicht ihre Anstrengung, gute Planung oder Weisheit.

Auch wir werden nur durch Gottes Güte und Barmherzigkeit in die ewige Herrlichkeit gelangen. Nicht durch das Halten der Gebote, nicht durch unseren anständigen Lebenswandel, nicht durch unsere guten Werke und noch nicht einmal durch unseren Glauben und unser Gottvertrauen. Das ist hart einzusehen und kann leicht so verstanden werden, als ob wir an unserem Schicksal nichts ändern können, oder als ob der Himmel uns so oder so sicher ist. Das stimmt aber nicht. Es ist nicht unwesentlich, wie wir uns verhalten. Das galt auch für das Volk Israel. Die Gesetzesübertreter, die stolzen und egoistischen Bürger wurden durch die Plagen und Strafen Gottes in Leid gestürzt oder endeten in Gefangenschaft und Tod. Also kommt es doch darauf an, wie wir mit Gottes Gnade und Barmherzigkeit umgehen. Angesichts dieser kontroversen Argumente möchte ich noch einmal die Frage aufwerfen: Was hat zu dem guten Ende der Existenz Israels geführt?

Und da gibt es doch eine ganze Reihe Fakten. Was hat zu dem guten Ende geführt?

1.- Die Erwählung. Das Volk Israel war von Anfang an erwählt. Es war erwählt, den wahren Gott kennen zu lernen, seine Stimme zu hören, seine Gebote zu empfangen, seinen Willen zu erfahren und ihm im Tempel zu dienen. Gott hatte Pläne mit diesem Volk, die bis über das Ende der Zeit hinaus reichten. Israel sollte das Volk Gottes sein, an dem andere Völker sich orientieren und etwas über den Schöpfergott erfahren sollten. Mit diesem Volk handelte Gott auf ganz besondere Weise. Aus diesem Volk kamen die Propheten und schließlich auch Jesus, der Erlöser der Welt. Die Erwählung Israels war von Gott veranlasst und mit einem einseitigen, ewigem Bund festgelegt. In gewisser Weise war Gott verpflichtet, dieses Volk nicht fallen zu lassen oder auszurotten. Dieser Erwählung haben die Israeliten es zu verdanken, dass Gott sie zu einem guten Ende bringt.


2.- Dem Charakter Gottes. Dass Israel den Segen und die Herrlichkeit Gottes schauen wird, hat mit dem Charakter und der Treue Gottes zu tun. „Gott ist treu und was er zusagt, das hält er gewiss!“ So heißt es sehr treffend in Ps. 33, 4. Wäre Gott von seinem Wesen her nicht seinen Versprechen verpflichtet, so hätte Israel keine Chance gehabt. Denken wir nur einmal an das Goldene Kalb in der Wüste. Während der Herr dem Mose die 10 Gebote auf dem Berg Sinai gab, erwählte sich das Volk einen Götzen, ein Goldenes Kalb. Das wäre sicher ein guter Anlass gewesen, um diesen abtrünnigen Menschen die Freundschaft und den Bund aufzukündigen. Das hätte jedermann verstanden. Der Vertrag war einseitig von Israel gebrochen worden. Da bestand eigentlich für Gott auch keine Verpflichtung mehr, sich an seine Versprechen zu halten.
Und doch bleibt der Herr seinen Verheißungen treu.

Es gab noch viele solcher Momente in der Geschichte seines Volkes, wo Gott mit Fug und Recht seine Zusagen hätte zurücknehmen können. Aber weil der Herr treu ist, kam Israel in den Genuss all dieser Segnungen. Und weil Gott treu ist, können auch wir uns darauf verlassen, dass Gott seine Versprechen an uns wahr machen und uns ewiges Leben schenkt wird. Sein Charakter, sein Wesen lässt es nicht zu, dass er etwas verspricht und dann nicht hält.

3.- Die disziplinarischen Maßnahmen. Gott hat es schwer gehabt mit seinem Volk. Es war widerspenstig, ungehorsam, untreu und verfiel immer wieder in Unmoral und Sünde. Wie mit einem kleinen Kind musste Gott mit ihm umgehen. Er musste es belehren, erinnern, ermutigen, ermahnen, warnen und ihm drohen. Wir haben den Eindruck, als ob diese disziplinarischen Maßnahmen spurlos an dem Volk vorüber gingen. Aber das war nicht so. Immer wieder finden wir in der Bibel Berichte von Erweckungen, von Buße und Umkehr.

Es gab Zeiten und Umstände, wo einzelne Personen, ganze Städte oder Gegenden auf Ermahnung, Belehrung und Warnung reagierten. Da fällt mir gleich der König David ein. Nach seinem Vergehen mit der Frau des Uria sandte Gott ihm einen Propheten, der ihn auf seine Sünde und die Strafe hinwies. Daraufhin hat sich der König tief gebeugt, seine Schuld bekannt und seine Beziehung zu Gott erneuert. Unter Schriftgelehrten Esra, dem König Josia und auf den Dienst des Propheten Jona in Ninive hin geschahen Buße und Umkehr zu Gott. Immer wieder wurden Menschen und Völker vor dem Verderben bewahrt, weil sie sich von den Erziehungsmaßnahmen Gottes korrigieren ließen.

4.- Auch die Gerichte und Strafen Gottes haben sicher dazu beigetragen, dass ein Rest des Volkes in die Herrlichkeit Gottes eingehen durfte. Ja, es stimmt, Gott hat sein Volk auch gestraft. Er hat Plagen und Katastrophen, Missernten, Krankheiten, Kriege und Gefangenschaft gesandt. Darunter haben viele Menschen gelitten und große Teile des Volkes gingen zugrunde. Aber auch die Strafen haben dazu beigetragen, dass ein Rest gerettet wurde.

Ich denke da nur an die babylonische Gefangenschaft. Gott hatte Jerusalem durch die Feinde vernichten und das Volk wegen seiner Untreue und seines Götzendienstes in die Gefangenschaft führen lassen. Da saßen die Israeliten nun 70 Jahre im fremden Land und wurde wie Sklaven behandelt. Aber schließlich erkannten sie die Ursache für diese Situation und änderten ihre Einstellung. Seit dieser Zeit war das Volk von Götzendienst und Untreue gegen Gott geheilt. Das Gericht Gottes hatte sie geläutert und ihren Sinn geändert. Freilich war das nicht immer so. Es gab Strafen bei denen die Menschen sich verhärteten. Sie verfluchten Gott und wurden erst recht rebellisch und trotzig. Aber wo die Strafe anschlug, da führte sie zur Reinigung, Umkehr und Erweckung.

Was hat Israel zu einem guten und segensreichen Ende gebracht? Es war eigentlich eine Mischung von verschiedenen Zutaten: Da war z.B. ihre Erwählung und die Treue Gottes, die disziplinarischen Maßnahmen und die Strafen und Gerichte, die schließlich zu einem guten Ende führten.

5.- Aber ich möchte noch eine wichtige Zutat erwähnen, nämlich das Blut. Ohne das Blut konnte kein Israelit gerettet werden! Und ohne das Blut kann überhaupt kein Mensch auf der Erde in die ewige Herrlichkeit Gottes gelangen.

Im Alten Testament hatte Gott angeordnet, dass Tiere stellvertretend für den Menschen sterben mussten oder konnten. Ein Israelit konnte deshalb Vergebung bekommen und dadurch zu ewigem Leben gelangen. Das ging aber nur, wenn ein Tier an seiner Stelle für ihn starb. Schuld musste nämlich bezahlt werden und zwar mit dem Leben. Egal welche Schuld, egal wie viel Schuld, egal wie groß und grässlich die Schuld war. Es ist bei Gott nicht möglich, Sünde einfach so zu vergeben – sie muss bezahlt, gebüßt werden. Und Schuld hatten alle Israeliten. Deshalb brauchten sie alle das Blut.

Auch wir brauchen das Blut, denn alle Menschen sind Sünder und schuldig vor Gott. Warum müssen wir denn dann keine Tiere mehr opfern oder mit unserem eigenen Blut bezahlen? Die Gute Nachricht ist, dass Jesus für uns mit seinem Leben bezahlt hat. Er ist einen stellvertretenden Tod für uns gestorben. Er hat die Strafe getragen, die Schuld bezahlt und wir sind frei. Dadurch können auch wir in die ewige Herrlichkeit gelangen.

Es wäre aber nicht ganz ehrlich, wenn ich mit diesem Gedanken schließen würde. Nicht alle Menschen kommen nämlich in den Himmel, auch wenn Jesus für alle die Schuld bezahlt hat. Gott erwartet nun von uns eine Reaktion, er möchte uns nicht ohne unseren Willen in den Himmel drängen. Und da kommt die letzte Zutat zum Tragen.

6.- Der Glaube. Wenn wir in die Geschichte Israels schauen dann sehen wir, dass nicht alle Leute das Blut in Anspruch genommen haben. Es gab Zeiten, wo überhaupt keine Opfer mehr gebracht wurden. Nicht, weil es nicht mehr nötig war, sondern weil sich das Volk so weit von Gott entfernt hatte, dass es kein Gespür mehr für Sünde und die Notwendigkeit der Errettung besaß. Obwohl die Menschen die Möglichkeit hatten, das Blut eines Opfertieres zur Bezahlung der Schuld vor den Altar zu gießen, taten sie es nicht. Sie reagierten nicht mit Glauben sondern mit Gleichgültigkeit, Ablehnung, Stolz und Rebellion. Mit solch einer Einstellung konnten sie nicht gerettet werden. Die Reaktion, die Gott auf sein Angebot der Vergebung erwartet ist –

Glaube. In diesem Wort ist vieles enthalten: Vertrauen, Respekt, Ehrfurcht, Gehorsam, Hingabe, Liebe... Schließlich war es Glaube, der einen Teil der Israeliten sicher in ihr Land brachte, aus dem sie nie mehr ausgerissen werden. Und so ist es auch heute: nur wer auf Gottes Treue, auf seine Erziehungsmaßnahmen und seinen Heilsweg mit Glauben reagiert, kann auf ewig in dem herrlichen Land bei Gott leben.

Es ist sehr schön, dass dieses Buch Amos mit seinen vielen traurigen Umständen und den Gerichtsandrohungen nun doch mit so einem positiven Ausblick endet.

Wir beten:
Vater im Himmel, wir danken Dir, dass Du Deinen Sohn Jesus Christus auf die Erde gesandt hast, um für unsere Schuld zu sterben. Wir danken Dir, dass wir dadurch ewiges Leben in Herrlichkeit bekommen können. Zeige uns nun bitte, wie wir richtig glauben können. Amen.

Rüdiger Klaue

Weitere Predigten von Rüdiger Klaue findest Du unter http://www.rklaue.com/

...bereits 879 x gelesen