Mittwoch, 30. März 2016
Das Hemd des Glücklichen
Ein Zar lag schwer krank danieder und versprach: „Die Hälfte meines Reiches will ich dem geben, der mich wieder gesund macht.“

Da versammelten sich alle Weisen des Landes und beratschlagten, wie sie den Zaren heilen könnten. Aber niemand wusste Rat. Nur ein Weiser erklärte: „Wenn man einen glücklichen Menschen findet, ihm sein Hemd auszieht und dem Zaren anlegt, dann wird der Zar genesen.“

Daraufhin schickte der Zar Boten aus, die in seinem weiten Reich einen glücklichen Menschen suchen sollten. Aber es gab keinen einzigen Menschen, der mit allem wahrhaft zufrieden und deshalb glücklich gewesen wäre.

Der eine war zwar gesund, aber in seiner Armut unglücklich. Und wenn einer gesund und reich war, dann war die Ehe unglücklich oder seine Kinder waren nicht geraten. Kurz – alle hatten einen Grund, sich über etwas zu beklagen.

Eines Abends ging der Sohn des Zaren am Waldrand spazieren. Da stand eine armselige Hütte. Er hörte, wie drinnen jemand sagte: „Nun ist Gott sei Dank meine Arbeit geschafft. Ich habe gut verdient. Ich bin satt und kann mich nun ruhig schlafen legen. Was wünschte ich mir noch? Ich weiß es nicht, ich bin glücklich, denn ich habe alles, was ich brauche.“

Der Sohn des Zaren freute sich, dass er nun endlich einen glücklichen Menschen gefunden hatte. So schnell er konnte, rannte er in den Palast und schickte seine Soldaten, die „das Hemd des Glücklichen“ holen sollten, um seinen Vater zu heilen. Sie sollten dem Mann dafür soviel Geld geben, wie er nur wünschte…

Als die Soldaten an der armselige Hütte am Waldesrand ankamen, fanden die den glücklichen Mann. Aber der glückliche Mann war so arm, dass er gar kein Hemd hatte…“

Leo Tolstoi

Warum war denn der Mann so glücklich? Der Mann war dankbar gegenüber Gott, denn er erlebte, dass Gott ihm alles schenkte, was er brauchte: ein Dach über dem Kopf, eine Arbeit, etwas zu essen, ein Bett…“

Der Mann dachte nicht über Geld nach und wie er seinen Reichtum vermehren könnte… er fühlte sich glücklich, weil er wusste, sein Leben ist in Gottes Hand geborgen.

Wie ist das bei uns? Sehnen wir uns nach mehr als wir haben oder sind wir Gott dankbar, für alles, was er uns bereits jetzt schon gegeben hat?

“Ganz arm sein und doch von dem Reichtum Christi austeilen dürfen,
das ist vollkommene Freude.“

Friedrich von Bodelschwingh


“Ich freue mich im Herrn,
und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott,
denn er hat mir Kleider des Heils angezogen und
mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit bekleidet.“
(Jesaja 61,10)

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