Dienstag, 28. Februar 2017
Predigtreihe über Hiob – Teil 2: Die Wette! (Hiob 1, 6 – 12)
Eine Wette mit schlimmen Folgen für Hiob. Im folgenden Abschnitt haben wir eine sehr seltene und interessante Schilderung. Wir werden in den Thronsaal Gottes geführt. Es findet gerade eine Ratsversammlung statt zu der die Engel und Diener Gottes erschienen sind. Unter den Engeln befindet sich auch Satan, der Erzfeind Gottes. Was hier bei dieser Besprechung verhandelt wird, möchte ich direkt aus der Bibel vorlesen. Es steht in Hiob 1, 6 - 12 nach der Guten Nachricht:

Der Bibeltext:
(1,6) »Eines Tages kamen die Gottessöhne zur himmlischen Ratsversammlung und jeder stellte sich an seinen Platz vor dem Herrn. Unter ihnen war auch der Satan.

(1,7) Der Herr fragte ihn: »Was hast denn du gemacht?« »Ich habe die Erde kreuz und quer durchstreift«, antwortete der Satan.

(1,8) Der Herr fragte ihn: »Hast du auch meinen Diener Ijob gesehen? So wie ihn gibt es sonst keinen auf der Erde. Er ist ein Vorbild an Rechtschaffenheit, nimmt Gott ernst und hält sich von allem Bösen fern.«

(1,9) Der Satan entgegnete: »Würde er dir gehorchen, wenn es sich für ihn nicht lohnte?

(1,10) Du hast ihn und seine Familie und seinen ganzen Besitz vor jedem Schaden bewahrt. Du lässt alles gelingen, was er unternimmt, und sein Vieh füllt das ganze Land.

(1,11) Taste doch einmal seinen Besitz an! Wetten, dass er dich dann öffentlich verflucht?«

(1,12) Da sagte der Herr zum Satan: »Gut! Alles, was er besitzt, gebe ich in deine Gewalt. Aber ihn selbst darfst du nicht antasten!« Danach verließ der Satan die Ratsversammlung.«

Dies ist wirklich eine sehr seltsame Geschichte. Zunächst frage ich mich: Wer hat das alles beobachtet? Wer hat es für uns aufgeschrieben? Hiob kann es nicht gewesen sein. Das Buch trägt seinen Namen, weil er die Hauptperson darin ist.

Normalerweise hat kein lebender Mensch Zutritt zu Gottes Wohnung. In 1. Timotheus 6, 16 heißt: »Er ist der Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit besitzt, der in einem unzugänglichen Licht wohnt, den kein Mensch je gesehen hat und kein Mensch jemals sehen kann. «

Umso mehr wundert es uns, dass Satan da plötzlich in der Runde der Engel erscheint. Wir würden denken, dass der Teufel doch der Letzte sei, der in die heilige Gegenwart Gottes treten darf - und treten will. Er wurde ja schon einmal aus dem Himmel hinausgeworfen, weil er sich gegen Gott erhoben hatte.

Ja, einst gehörte er zu den Dienern Gottes, zu den heiligen Engeln. Er war sogar ein Fürst unter ihnen, schön und klug und mächtig. In Jesaja wird er mit einem Morgenstern verglichen. Aber er wollte sein wie Gott - und wenn möglich sogar noch über Gott stehen. Das war die Ursache zu seinem Fall. Seitdem ist Satan ein Feind Gottes und ein Feind der Menschen. Er will Gottes Pläne vereiteln und durcheinander bringen. Er ist verurteilt und gerichtet. Einst wird er im ewigen Feuer brennen.

Aber noch läuft er frei auf dieser Welt herum. Er unternimmt alles, um Menschen davon abzuhalten, Gott zu vertrauen und zu lieben. Sie sollen nicht gerettet werden, sondern ins Verderben gerissen werden, zusammen mit ihm, für alle Ewigkeit.

Satan ist der Ankläger der Menschen. Er steht neben dem Richterstuhl Gottes und zeigt auf uns und klagt uns an. Sacharja 3, 1 heißt es: » Darauf ließ der Herr mich den Obersten Priester Jeschua sehen. Er stand vor dem Engel des Herrn und rechts von ihm stand der Satan und wollte ihn anklagen. « Das ist seine Hauptaufgabe, und das wollte er auch bei Hiob tun. Doch er fand nichts, wofür er ihn anklagen konnte.

Satan verklagt die Menschen vor Gottes Thron. Deshalb hat er auch noch Zugang zu Gott. Aber Satan verklagt nicht nur die Menschen, sondern er verleitet sie auch zum Ungehorsam und zur Sünde. Er versucht sie, mit List und Lüge, mit Drohungen und Gewalt von Gott abzubringen.

Das sehen wir ganz deutlich in der Versuchungsgeschichte Jesu in Matthäus 4. Da heißt es ab:

(4,2) »Nachdem Jesus vierzig Tage und Nächte gefastet hatte, war er hungrig.

(4,3) Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: »Wenn du Gottes Sohn bist, dann befiehl doch, dass die Steine hier zu Brot werden!«

Der Teufel scheut nicht einmal davor zurück, den Sohn Gottes zu verführen. Er kam mit einem sehr subtilen Vorschlag. Es ging nicht um Sünde, oder Unmoral, sondern um verstecktes Misstrauen gegen Gott. Satan lügt immer: Er lügt Gott an, und er lügt die Menschen an. So hofft er das Reich Gottes aufhalten oder zerstören zu können.

In dieser Szene im Himmelssaal sehen wir auch, dass Gott den Teufel wahr nimmt. Er spricht ihn sogar an, stellt ihm Fragen und lässt ihn zu Wort kommen. Das ist auch so ein Rätsel für mich, dass Gott den Satan beachtet, dass er ihn ernst nimmt und mit seinen boshaften Absichten gewähren lässt.

Es wäre doch alles viel einfacher, wenn Gott den Satan gleich in den Feuersee geworfen und vernichtet hätte. Wie viel leichter wäre dann für uns das Leben: Keine Versuchungen, keine Lügen über Gott, keine Verfolgungen, keine Kriege, Krankheiten, keine Verbrechen und kein Streit. Aber es gehört zu Gottes Plan, dass es einen Ankläger und einen Verführer geben muss. Nur so kann sich unser Glaube bewähren.

Gott nimmt den Teufel ernst, er spricht mit ihm und er lässt sich auf eine Wette mit ihm ein. Also hier im Himmel, wenigstens in dieser Szene, sehen wir nichts von der großen Feindschaft zwischen Gott und dem Teufel. Wir sehen kein Kräftemessen, keine Gewalt, keine bewaffneten Heere, kein Kriegsgeschrei. Hier sind keine Anklagen keine Hasstiraden, keine Befehle und kein Exorzismus.

Der Teufel erscheint hier weder als dunkle, hasserfüllte, blutdürstige Bestie oder brüllender Löwe, noch als räudiger Hund mit eingezogenem Schwanz. Gott und der Teufel unterhalten sich gewissermaßen auf Augenhöhe miteinander. Doch beide, sowohl Gott als auch der Teufel wissen, wer hier der Herr ist und wer wen richten wird. Eigentlich ist der Teufel schon gerichtet. Er ist zum ewigen Tode verurteilt. Daran ist nicht mehr zu rütteln. Es ist gut, wenn wir uns das immer wieder vor Augen halten.

In dieser Begegnung im Himmelssaal macht Gott den Satan auf den Hiob aufmerksam. Er nennt ihn in Vers 8 »Ein Vorbild an Rechtschaffenheit, nimmt Gott ernst und hält sich von allem Bösen fern. « Satan bestreitet das nicht, er sucht nicht nach verborgenen Sünden und Fehlern im Leben des Hiob. Aber er stellt Gottes Handeln und die Motive von Hiob infrage. Satan deutet an, dass die Rechtschaffenheit des Hiob eigentlich durch materiellen Segen und Reichtum erkauft ist. Wörtlich sagt der er: »Würde er dir gehorchen, wenn es sich für ihn nicht lohnte? Du hast ihn und seine Familie und seinen ganzen Besitz vor jedem Schaden bewahrt. Du lässt alles gelingen, was er unternimmt, und sein Vieh füllt das ganze Land. 11 Taste doch einmal seinen Besitz an! Wetten, dass er dich dann öffentlich verflucht?« (Verse 9-11)

Dies ist eine Frage, die wir uns auch stellen lassen müssen. Glauben wir Gott nur solange es uns gut geht? Bei vielen Nachfolgern Jesu ist das sicherlich der Fall. Sie gehen in die Kirche, lesen in der Bibel, beten und dienen Gott - solange es alles gut geht und Gott ihre Wünsche und Vorstellungen erfüllt. Kommen aber Leiden, Verlust und Krankheit, dann hadern sie und sagen sich von Gott los.

Wahrer Glaube, wahres Christsein und Jüngerschaft besteht eben darin, dass der Mensch Gott nachfolgt, auch wenn seine Wünsche nicht erfüllt werden, auch wenn es schwer wird und sich Verfolgungen, Leiden und Verluste einstellen. Das wollte Satan auch bei Hiob herausfinden. Und auch Gott war daran interessiert zu erfahren, wie Hiob in Notzeiten reagieren würde. Deshalb ließ er sich wohl auch auf die Wette mit Satan ein.

Ich denke, bei dieser Wette war wirklich alles offen. Es hätte durchaus sein können, Satan würde recht behalten. Hiob würde sich von Gott abwenden, so wie seine Frau es ihm vorgeschlagen hatte. Hiob selbst war oft nahe daran, seine Hoffnung und sein Vertrauen in Gott aufzugeben. Es war eine schwere Prüfung für Hiob - und Gott mutete ihm wirklich viel zu. –

Andererseits bestand die Möglichkeit, dass Hiob trotz aller Not, Zweifel und Fragen an seinem Glauben festhalten würde. Es lag in der Hand des Hiob, es war seine eigene Entscheidung. Ein Versagen wäre eine große Niederlage für Gott geworden. Seine Standhaftigkeit wäre ein großer Sieg Gottes. Die Wette mit Satan war für Gott ein großes Risiko. Bei all unseren Anfechtungen und Leiden ist es auch heute noch so, dass jede Prüfung, die wir bestehen, nicht nur ein persönlicher Sieg für uns ist, sondern auch ein großer Triumph Gottes. Je schwerer die Prüfung, desto größer Gottes Ehre.

Es ist mir sehr wichtig zu betonen, dass hier, in diesem himmlischen Thronsaal, in dem Gespräch zwischen Gott und Satan der Leidensweg des Hiob begann. Hier lag auch die Antwort auf die Frage: »Warum musste Hiob leiden? «

In langen Diskussionen versuchten Hiob und seine Freunde eine Erklärung dafür zu finden, warum Gott all dieses Unglück zuließ. Die Männer in der Runde hatten viele gute Gedanken, sie haben manche Erkenntnisse über Gott, den Menschen, das Leid und die Schuld gewonnen. Ohne Zweifel war die leidvolle Lage des Hiob der Anlass zu vielen wertvollen Beobachtungen und Einsichten. Allein, alle Weisheit, alle Vermutungen und Erklärungen konnten das Rätsel des Leides nicht lösen.

Die Lösung lag nämlich auf einer Ebene, die den Menschen verborgen war. Niemand wusste, was da im Himmel verhandelt worden war. Niemand konnte es wissen oder erahnen. Es lag außerhalb der menschlichen Reichweite. Deshalb können wir auch niemandem einen Vorwurf für seine unbeholfenen Erklärungsversuche machen. Es gab und gibt keine endgültige, befriedigende Antwort in dieser Welt auf die Frage nach dem Leid. Die Antwort ist in einer anderen Dimension zu finden, die wir nicht betreten können.

Dennoch haben Hiob und seine Freunde sich redlich bemüht, ihr Schicksal zu erklären und es irgendwo einzuordnen. Sie brauchten einen Anhaltspunkt, etwas, um das Unbegreifliche zu deuten. Das ist sicher menschlich, natürlich und wohl auch nicht verkehrt, solange wir wissen, dass es auch noch andere Dimensionen gibt.

Wir wollen doch noch lesen, was Hiob widerfuhr, nachdem Satan den Thronsaal Gottes mit der Erlaubnis verlassen hatte: »Alles, was Hiob besitzt, gebe ich in deine Gewalt. Aber ihn selbst darfst du nicht antasten!« - Das Unglück ließ nicht lange auf sich warten.

Lesen wir, was passierte:

(1,13) »Eines Tages waren die Kinder Ijobs wieder einmal im Haus ihres ältesten Bruders zusammen, um zu essen und Wein zu trinken.

(1,14) Da kam ein Knecht zu Ijob gelaufen und meldete: »Wir waren gerade mit den Rindern beim Pflügen und die Esel weideten ganz in der Nähe.

(1,15) Da sind plötzlich Beduinen aus Saba über uns hergefallen. Sie haben alle Tiere mitgenommen und deine Knechte mit dem Schwert erschlagen. Ich allein konnte mich retten, um es dir zu sagen. «

(1,16) Er hatte noch nicht ausgeredet, da kam schon ein anderer und sagte: »Feuer ist vom Himmel gefallen und hat die Schafe und Ziegen und ihre Hirten getötet. Ich allein konnte mich retten, um es dir zu sagen. «

(1,17) Er hatte noch nicht ausgeredet, da kam schon der nächste und sagte: »Drei Horden von Nomaden haben uns überfallen. Sie haben die Kamele gestohlen und deine Knechte erschlagen. Ich allein konnte mich retten, um es dir zu sagen. «

(1,18) Er hatte noch nicht ausgeredet, da kam ein vierter und sagte: »Deine Kinder waren im Haus deines Ältesten zusammen, um zu essen und Wein zu trinken.

(1,19) Da kam ein Sturm von der Wüste her und packte das Haus an allen vier Ecken. Es ist über den jungen Leuten zusammengestürzt und hat sie alle erschlagen. Ich allein konnte mich retten, um es dir zu sagen. «

So weit der Bericht der sprichwörtlich gewordenen Hiobsbotschaften. Satan hatte gründliche Arbeit getan. Wie würde Hiob jetzt reagieren? Die Bibel berichtet in Vers 20+21: »Da stand Ijob auf, zerriss sein Gewand und schor sich den Kopf kahl. Dann warf er sich nieder, das Gesicht zur Erde, und sagte: »Nackt kam ich aus dem Schoß der Mutter, nackt geh ich wieder von hier fort. Der Herr hat gegeben und der Herr hat genommen. Ich will ihn preisen, was immer er tut! «

Das ist eine unglaubliche Antwort! Sie zeigt ein mustergültiges Vertrauen, eine beispielhafte Ergebenheit in Gottes Willen und Handeln. Ohne zu wissen, warum ihn das Unglück traf, ohne zu rebellieren oder zu lamentieren nahm Hiob das schwere Schicksal aus Gottes Hand und dankte ihm noch dafür. Das war ein großartiger Sieg des Hiob - aber auch ein Triumph für Gott.

Wenn wir bisher etwas aus dem Buch Hiob lernen können, dann ist es:

1.- einmal die Rolle Satans. Ich glaube in kaum einem anderen Buch oder Abschnitt der Bibel wird uns so viel - auch Überraschendes - über Satan, den Feind Gottes und der Menschen berichtet.

2.- Gott mutet uns Menschen manchmal sehr viel zu. Unser Vertrauen wird auf das härteste geprüft. Wenn wir diese Prüfung bestehen, ist das ein Sieg für Gott. Es bringt ihm Ehre, wenn seine Geschöpfe ihn nicht nur lieben, wenn er ihnen Gutes tut.

3.- Die Frage nach der Ursache und dem Sinn des Leidens kann auf dieser Erde nur immer bruchstückhaft oder individuell beantwortet werden. Die eigentliche Lösung liegt auf einer anderen Ebene, in einer anderen Dimension, zur der wir keinen Zugang haben.

Wir beten:

Herr, wir danken Dir für diese ganz spezielle Offenbarung im ersten Kapitel des Hiobsbuches. Hier erfahren wir viele Dinge, die uns helfen können das Leid und Dich selber besser zu verstehen. Gib uns in aller Not und Anfechtung die Haltung des Hiob, der sagen konnte: »Der Herr hat gegeben und der Herr hat genommen. Ich will ihn preisen, was immer er tut!« Amen.

Rüdiger Klaue

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