Donnerstag, 23. Februar 2017
Predigtreihe über Amos– Teil 8 (Amos 5, 18 - 27)
Wir wohnen hier am Rande der Stadt. Die großen Einkaufszentren befinden sich auf der anderen Seite. Aber hier um die Ecke liegt ein kleines Ladenlokal. Früher war da mal ein so genannter „Tante Emma-Laden“. Die Besitzerin mühte sich redlich, der Nachbarschaft etwas an Waren zu bieten, was in den großen Massenlagern nicht zu finden war. Trotz aller Arbeit konnte sie sich fast nicht von dem Einkommen ernähren. Schließlich musste sie ihren Laden aufgeben.

Es dauerte nicht lange, da prangte ein neues Schild über dem Eingang. Die Schaufenster waren mit kessen Sprüchen beschrieben, die deutlich machen sollten: hier weht ein neuer Wind. Doch nach kurzer Zeit wurde der Laden immer leerer, das Angebot wurde immer kleiner und schließlich räumten die neuen Besitzer alles aus und schlossen das Geschäft.

Als nächstes zog ein etwas ausgefallener Unternehmer in die Räume. Es war so eine Art Konditorei, wo man gemütlich Kaffee trinken und Torte in einer etwas ungewöhnlichen Umgebung essen konnte. Wer vorbei kam, schaute nun schon etwas skeptisch, ob sich der neue Besitzer mit seiner Idee in dieser Nachbarschaft halten könnte? Und wirklich, schon bald merkte man, dass die Stühle leer blieben, das Angebot wurde kleiner – die Sache funktionierte nicht. –

Wieder wechselte das Bild. Der neue Besitzer möchte hier etwas ganz anderes machen. Es soll eine Art Bastelstube werden, wo man Zeichenmaterial erwerben, aber auch Artikel des Kunsthandwerks kaufen kann. Wenn die Inhaber dieses Geschäft als Hobby betreiben, kann es funktionieren. Sonst aber sehen Realisten schon wieder den Tag, wo auch dieser Plan scheitern wird.

Was mir an dieser Beobachtung interessant erscheint ist die Tatsache, dass jeder neue Besitzer mit neuen Hoffnungen und Erwartungen in das Unternehmen einsteigt. Jeder denkt: „Ich werde das schon schaffen. Ich kann es besser als mein Vorgänger. Ich weiß, wie man’s macht.“ – Vielleicht haben sie alle den Tag herbei gesehnt, wo sie ihr eigenes Geschäft haben und erfolgreich in eine bessere Zukunft starten werden.

Ähnlich ging es wohl auch den Israeliten im Alten Testament zu den Zeiten des Propheten Amos. Sie erwarteten Erfolg, Sieg und Freude am Tage des Herrn, der noch kommen sollte. Amos jedoch sieht diesen Tag als einen schwarzen Tag.

Der Bibeltext:

(5,18) „Weh euch, die ihr den Tag herbeisehnt, an dem der Herr eingreift! Was erwartet ihr denn von diesem Tag? Finsternis wird er euch bringen und nicht Licht!

(5,19) Es wird euch ergehen wie dem Mann, der vor einem Löwen davonläuft und auf einen Bären trifft, und wenn er glücklich das Haus erreicht hat und sich an die Wand lehnt, beißt ihn eine Schlange.

(5,20) Der Tag des Herrn bringt Finsternis und nicht Licht, ein schwarzer Tag ist er; auch nicht einen Schimmer von Hoffnung lässt er euch.

(5,21) Der Herr sagt: »Ich hasse eure Feste und kann eure Feiern nicht ausstehen.

(5,22) Eure Brandopfer und Speiseopfer sind mir zuwider; das gemästete Vieh, das ihr für das Opfermahl schlachtet, kann ich nicht mehr sehen.

(5,23) Hört auf mit dem Geplärr eurer Lieder! Euer Harfengeklimper ist mir lästig!

(5,24) Sorgt lieber dafür, dass jeder zu seinem Recht kommt! Recht und Gerechtigkeit sollen das Land erfüllen wie ein Strom, der nie austrocknet.

(5,25) Habe ich von euch Israeliten während der vierzig Wüstenjahre vielleicht Mahlopfer und Speiseopfer verlangt?

(5,26) Habt ihr damals schon die Götzenbilder eures Himmelskönigs Sakkut und eures Sterngottes Kewan herumgetragen, wie ihr es jetzt tut?

(5,27) Ihr könnt euch darauf verlassen: Ich werde euch in die Verbannung führen, noch über Damaskus hinaus.« Das sagt der Herr, der Gott der ganzen Welt.“

Bevor ich etwas über die falschen Erwartungen der Israeliten sage, möchte ich uns noch einmal die Situation ins Gedächtnis rufen. Amos lebte etwa 800 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Er war ein Bauer und Viehzüchter den Gott als Propheten für Israel berief. Eigentlich stammte Amos aus dem Nachbarland Juda, was es nicht leichter machte, seine Gerichtsbotschaft an den Mann zu bringen. Dem Land Israel ging es zu der Zeit wirtschaftlich recht gut. Die Leute waren wohlhabend und lebten im Luxus. Sie waren aber nicht dankbar und zufrieden, sondern habgierig und egoistisch.

Bei den Reichen herrschte viel Ungerechtigkeit und Korruption. Die Armen wurden unterdrückt und ausgebeutet. Betrug und Gewalt waren an der Tagesordnung. Dabei blieben die Israeliten aber noch einigermaßen fromm. Wie wir gerade gelesen haben, verrichteten sie noch ihre traditionellen Gottesdienste und brachten ihre vorgeschriebenen Opfer. Allerdings dachten sie dabei eher an Götzen wie den Himmelskönig Sakkut und den Sterngott Kewan. Das schmerzte Gott sehr. Zu ihrem gewalttätigen, ungerechten Verhalten gegen ihre Mitmenschen kam noch die Missachtung ihres Gottes dazu. Das war schlimm genug.

Gott konnte diese Verhältnisse nicht länger dulden. So rief er das Volk durch den Propheten Amos zur Buße und Umkehr auf. Es sollten wieder Friede, Gerechtigkeit und Gottesfurcht in der Gesellschaft herrschen. Doch die Menschen stellten sich taub, sie wollten nicht hören. Sie wollten nicht an ihre Sünden und Fehler erinnert werden, und sie wollten auch nicht ihr Verhalten ändern. Darauf reagierte Gott zunächst mit der Androhung von Gericht und Strafe. In deutlichen Worten malt der Prophet den Israeliten vor Augen, was Gott tun wird, wenn sie nicht hören wollen. So kündigt Amos Katastrophen, Missernten, Hungersnot, Krieg und Verbannung an. Dunkle, schwere Zeiten stehen bevor, wenn der Augenblick der Vollstreckung kommt. Diesen Augenblick bezeichnet der Prophet als den „Tag des HERRN“.

Es scheint, als haben die Israeliten nichts verstanden. Sie sehnten den Tag des Herrn herbei. In ihrer Vorstellung war es ein Freudentag, ein Tag des Lichtes, des Sieges und der Erlösung von allen Feinden und Widerwärtigkeiten. Dem Propheten wird klar, dass hier ein gründliches Missverständnis vorliegt. Er sagt deshalb zu den Leuten: „Weh euch, die ihr den Tag herbeisehnt, an dem der Herr eingreift! Was erwartet ihr denn von diesem Tag? Finsternis wird er euch bringen und nicht Licht! Es wird euch ergehen wie dem Mann, der vor einem Löwen davonläuft und auf einen Bären trifft. Der Tag des Herrn bringt Finsternis und nicht Licht, ein schwarzer Tag ist er; auch nicht einen Schimmer von Hoffnung lässt er euch.“ (Verse 18-20)

Enttäuschung war schon vorprogrammiert. Wie konnte es sein, dass die Menschen Gott so falsch verstanden hatten. Wie konnten sie Lob und Belohnung erwarten, wo ihnen doch Gericht und Strafe angekündigt waren?

So wie den Israeliten wird es sicher auch manchen unserer Zeitgenossen ergehen. Sie erwarten irgendeinen Tag in der Zukunft, der ihnen Erlösung und Heil und Erfüllung aller Wünsche bringen wird. Die Wahrheit ist aber, dass dieser Tag des Herrn für sie ein Gerichtstag sein wird. Sie werden nicht Heil und Leben empfangen, sondern Gericht und Strafe.

Dann wird geschehen, was Jesus in Matth. 25, 41 gesagt hat: „Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln.“ – Das wird eine furchtbare Enttäuschung sein, die nicht wieder gutzumachen ist. Wie kann es passieren, dass Menschen etwas völlig Verkehrtes von Gott erwarten? Darüber müssen wir uns klar werden, damit uns nicht das gleiche Schicksal widerfährt.

Die Menschen zur Zeit des Amos gingen einer schrecklichen Katastrophe entgegen in der Erwartung, dass sie etwas Erfreuliches und Schönes bekommen werden. Was war ihr Fehler?
Was müssen wir vermeiden, um nicht den gleichen Fehler zu begehen.

Das Problem der Israeliten war, dass sie eine Reihe von Dingen falsch einschätzten.

1.- Sie schätzten sich selber falsch ein. Die Leute sahen sich wohl ein wenig zu optimistisch oder blauäugig, wie wir heute sagen. In ihrer Vorstellung hatten sie nichts Verkehrtes getan. Sie waren gut und anständig. Nach ihrer Meinung haben sie nicht Strafe, sondern Anerkennung und Lob verdient. Der Tag des Herrn konnte also nur Licht, Freude und Lohn für sie bedeuten. Aber die Menschen waren blind gegenüber ihren eigenen Fehlern und Schwächen. Falsche Selbsteinschätzung wird auch heute und in Zukunft die Ursache für bittere Enttäuschungen sein. Manch einer wird nicht glauben wollen was er sieht und erlebt, wenn er nach dem Tod wieder zum jüngsten Gericht erwacht.

2.- sie schätzten die Worte des Propheten falsch ein. Die Hörer glaubten nicht, dass es so ernst werden könnte. Amos hatte zwar von Hungersnot, von Krieg und Verbannung gesprochen, aber wer wusste schon, ob das wirklich so gemeint war, ob das auch wirklich eintreffen würde und ob es auch so schlimm kommen sollte. Konnte man den Prophezeiungen wirklich trauen? Konnte man dem Propheten trauen? Ein wenig ärgerten sie sich sowieso über diesen Amos, der ihnen sagen wollte, was sie verkehrt machten. Was wusste dieser Viehhirte schon von Gottes Plänen. So ähnlich denken ja auch heute viele unserer Zeitgenossen über das Wort Gottes, und die Aussagen der Bibel-

3.- sie schätzten ihr Verhalten und ihre Sünden falsch ein. Sie hielten sich doch an die allgemeinen Normen, taten das, was die anderen auch taten. Sie waren nicht schlechter als die Nachbarn, die noch viel grausamer und ungerechter waren. In ihren Augen begingen sie doch gar keine Verbrechen für die sie bestraft werden müssten. So schrecklich und furchtbar konnten ihre Sünden doch gar nicht sein. Das war doch alles nur Panikmache. Diese Argumente kennen wir ja auch aus unserem Umfeld. Außerdem sind doch alle Menschen Sünder, keiner ist perfekt und niemand kann doch allen Geboten und Anordnungen Gottes folgen. Ihre Übertretungen waren aber weit schlimmer und unmoralischer als sie es für wahr haben wollten.

4.- vor allem aber schätzten die Israeliten ihren Gott falsch ein. Zu lange hatten sie sich nicht mehr um Gott gekümmert. Er war ihnen fremd geworden. Sie verstanden sein Denken und Handeln, sein Urteilen und Planen nicht mehr. Das führte eben auch dazu, dass sie sich selbst, ihre Fähigkeiten und Qualitäten und ihre Aussichten falsch einschätzten. Es waren vielleicht fünf oder mehr von Gottes Eigenschaften, die sie nicht bedachten und nicht richtig einschätzten.

Da war zuerst Gottes Heiligkeit. Ein allgemeiner Fehler ist, dass wir Gott als einen Menschen sehen, vielleicht als einen alten Mann, der nicht einmal so viel weiß und kann wie wir. Da ist kein Respekt, keine Achtung und keine Referenz mehr gegenüber dem Herrn aller Herren, dem König aller Könige und dem Schöpfer des Universums. Für manche ist Gott zu einem Kumpel geworden, für andere zu einem Sündenbock, der an allen Problemen in der Welt schuld hat. Gott steht aber hoch erhaben über allen Menschen samt ihren falschen Vorstellungen. Er ist heilig, rein, unverdorben und der Maßstab aller Dinge. Er sagt, was richtig und was falsch ist, was wir tun dürfen und was nicht. Wer Gottes Heiligkeit nicht richtig einschätzt, wird leichtfertig mit der Bibel, mit dem Gesetz und mit der Sünde umgehen.

Das Volk Gottes wird den Tag des Herrn als einen furchtbaren, schwarzen Gerichtstag ohne Hoffnung und Lichtschimmer erleben. Was die Leute jedoch erwarten, ist ein Freudentag, ein Tag des Sieges und Erlösung. Wie konnte es passieren, dass Israel sich so sehr irrte?! Einer der Hauptgründe war, dass sie Gott falsch einschätzten. Sie verkannten seine Heiligkeit.

Sie schätzten aber auch seine Initiative und Macht falsch ein. Es sieht so aus, als konnten sich die Israeliten nicht recht vorstellen, dass Gott die Feinde und die ganze Natur bewegen könne, um sie zu strafen. Die Prophezeiungen klangen wirklich recht unwahrscheinlich. Da ist von Dürreperioden und Unwettern die Rede, von Plagen und Krankheiten, von Katastrophen und Kriegen. Wer so etwas alles bewerkstelligen will, muss doch sehr stark und mächtig sein. Vielleicht erwarteten die Israeliten keinen Gerichtstag, weil sie es Gott gar nicht zutrauten, dass er die Welt bewegen könnte.

Das Volk schätzte sicher auch die Liebe Gottes falsch ein. Wohl erinnerten sich die Bewohner des Landes noch an die Verheißungen des Segens die ihren Vorfahren gegeben worden waren. Gott hatte sie erwählt und ihnen seine Liebe und Zuneigung beteuert. Ein Gott der Liebe konnte doch nicht so grausame Gerichte über sie senden. - Sicher ist das auch bei vielen von uns ein Problem, dass wir die Liebe Gottes falsch verstehen. Nach unserer Vorstellung bedeutet die Liebe Gottes, dass er alle unsere Fehler und Übertretungen übersehen soll und uns nur immer Gutes tun darf. Aber Gottes Liebe offenbart sich auch in den Geboten, in seinen Ermahnungen und Korrekturen.

Vielleicht unterschätzten die Zeitgenossen des Amos auch die Gerechtigkeit Gottes. Einige dachten wohl, Gott könne doch ein Auge zudrücken. Sie seien eben alle schwach und niemand ist vollkommen. Ihre Verfehlungen brauchten ja auch nicht gleich so hart bestraft zu werden. Sie rechneten nicht damit, dass Gott über alle unsere Taten zu Gericht sitzen und uns nach seinem heiligen Recht beurteilen wird.

Es scheint auch, als ob die Menschen, die jetzt einen schönen, siegreichen Tag des Herrn erwarteten Gottes Zuverlässigkeit falsch einschätzten. Ihre verkehrten Erwartungen sagen doch, dass sie nicht damit rechnen, dass Gott tun wird, was er gesagt hat. „Es wird schon nichts passieren“, war die Vorstellung der Leute. „Man muss das alles nicht zu ernst nehmen. Gott hat das zwar gesagt, er meint das aber nicht so.“ Das war ein falscher, fataler Optimismus. Mit dieser Einschätzung haben sich die Leute aber gründlich geirrt. Gott hält was er verspricht, er ist absolut zuverlässig.

Wir sehen an diesen Überlegungen, welche Fehler die Israeliten gemacht haben. Ihre falsche Einschätzung der Realität wird sie in den Abgrund und in das Verderben bringen. Was können wir aber tun, damit wir den Tag des Herrn nicht als einen furchtbaren Gerichtstag erleben? Die Situation ist nicht rosig. Auch in unserer Gesellschaft haben sich viele verkehrte Gewohnheiten und Ansichten eingebürgert. Gott und sein Gesetz werden kaum beachtet. Wir sind in einer ähnlichen Lage wie Israel.

Was wir tun können, um vor einer großen Enttäuschung bewahrt zu werden ist hauptsächlich, dass wir die Bibel lesen. Darin erfahren wir, wie Gott wirklich ist, was er will, was er verurteilt und was er belohnt. Er teilt uns seine Gedanken und Pläne mit, so dass wir wissen können, was uns erwartet. In seinem Wort sehen wir uns auch in einem Spiegel und erkennen unsere Übertretungen und Fehler. Jetzt kommt es nur noch darauf an, dass wir dem Wort glauben, es ernst nehmen, damit rechnen. Und da, wo wir zu kurz kommen und Gottes heiliges Gesetz nicht erfüllen, dürfen wir unser Versagen bei Jesus abgeben, der uns von aller Schuld befreit.

Wir beten:
Herr, wir danken Dir, dass wir Dich bei Deinem Wort nehmen dürfen, Du bist zuverlässig. Und wenn wir Dir glauben und vertrauen werden wir nicht in eine furchtbare Finsternis gehen, sondern zu Dir ins Licht. Bewahre uns in dieser wichtigen Sache vor falschen menschlichen Einschätzungen und dem Verderben. Amen.

Rüdiger Klaue

Weitere Predigten von Rüdiger Klaue findest Du unter http://www.rklaue.com/

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