Freitag, 29. März 2013
Das Wunder der Liebe
Es war an einem warmen Sommerabend auf einer verträumten Insel. Herr Johansson und sein Enkel Florian, der die Sommerferien bei seinem Großvater verbrachte, machten eine gemütliche Strandwanderung. Sie genossen die wunderschöne Abendstimmung am Meer. Opa Johansson war sichtlich stolz auf seine Heimat, die sich im Laufe der letzten Jahre zu einer Touristenattraktion und einem beliebten Urlaubsparadies entwickelt hatte.

Florian liebte diese besonderen Spaziergänge, auf denen sein Opa immer spannende Geschichten zu erzählen wusste. Plötzlich blieb Florian stehen. Ganz aufgeregt zupfte er seinen Großvater am Ärmel und staunte: „Schau mal Opa, da liegt eine wunderschöne Rose am Wasser. Und da, den Weg entlang bis in die Dünen … Guck mal, da liegen noch viele weitere Blumen im Sand. Wie kommen die denn hier her?“

Herr Johansson nahm seinen Enkel liebevoll an die Hand und antwortete: „Endlich ist der Moment gekommen, an dem ich dir eine bewegende Geschichte aus der Kindheit deines Vaters erzählen kann. Ich habe lange auf diesen Augenblick gewartet. Dein bescheidener Vater redet nicht gerne darüber. Doch er hat mir erlaubt, dir eines Tages alles zu erzählen, wenn die Zeit reif dafür ist.

Als dein Vater noch ein Kind war, breitete sich im ganzen Land eine schreckliche Virusinfektion aus, für die es zu dieser Zeit noch kein Gegenmittel gab. Unzählige Menschen infizierten sich und täglich starben viele auf dem Festland an dieser tödlichen Krankheit. Doch unsere kleine Insel blieb verschont.

Das hatte auch das Forscherteam der Ärzte und Wissenschaftler bemerkt, die fieberhaft an der Entwicklung eines Impfstoffes arbeiteten. Eines Morgens hatten sie eine Lösung und am nächsten Tag wurden im Fernsehen Ausschnitte aus ihrer Pressekonferenz gezeigt. Dort teilte ein Sprecher mit, dass man das Blut einer Person benötige, die noch nicht infiziert sei und eine äußerst seltene Blutgruppe mit ganz speziellen Antigenen habe.

Mit diesem Blut könne man innerhalb weniger Tage einen Impfstoff herstellen, der aller Voraussicht nach die Seuche stoppen werde. Und so bat man insbesondere die Ärzte der Insel, umgehend ihre Patientenkartei durchzusehen, in der Hoffnung, eine geeignete Person zu finden.

Ich las gerade beim Frühstück die Meldung in der Zeitung, als das Telefon klingelte. Dr. Petersen war am Apparat und erklärte mir mit bebender Stimme, dass mein Sohn – also dein Vater – die einzige Person auf unserer Insel sei, die exakt das gesuchte Blut habe. Er bat mich darum, meinen Jungen zu fragen, ob er zu einer Blutspende bereit sei.

Allerdings müsse er mir gleich dazu sagen, dass diese Blutabnahme unter Umständen lebensgefährlich werden könne. Denn man brauche mindestens einen Liter Blut. Erst nach dem Eingriff dürfe man den Blutverlust mit Blutplasma ausgleichen.

Dein Vater war damals 12 Jahre alt. Clever wie er war, hatte er bereits – während er die Meldung frühmorgens im Radio hörte – seinen Gesundheitspass aus der Kommode geholt und anschließend seine Daten mit der Suchmeldung im Videotext verglichen. So stand er plötzlich vor mir und stellte fest: „Papa, ich glaube, ich habe genau das richtige Blut. Ich könnte mit meiner Blutspende der schrecklichen Krankheit ein Ende machen!“ „Das stimmt“ sagte ich und kämpfte mit den Tränen.

„Stell dir vor, Dr. Petersen hat eben angerufen und gefragt, ob du zu einer Blutspende bereit seiest. Wir haben allerdings keine Zeit mehr zu verlieren. Es könnte jedoch sein, dass deine Blutspende für dich lebensgefährlich wird! Was sollen wir bloß tun?“ Mein Junge stammelte: „Ach, Papa, ich würde so gerne helfen. Doch es macht mir auch Angst, dass etwas schief gehen könnte!“ Er fiel mir um den Hals und wir weinten beide.

Schließlich fuhr mein Sohn fort: „Aber wenn ich nun mal der Einzige bin, der nicht infiziert ist und genau das richtige Blut hat, dann möchte ich es trotzdem tun. Jeden Tag sterben so viele auf dem Festland und ich könnte das verhindern! Ich muss den Menschen helfen. Ich lasse mir Blut abnehmen, auch wenn es gefährlich für mich ist.“

Inzwischen war auch Dr. Petersen bei uns eingetroffen und übergab mir die Einverständniserklärung, die ich unterschreiben sollte. Ich zögerte: „Möchtest du das wirklich tun?“ Als mir mein Sohn zunickte, wie sonst eigentlich ein Vater seinem Sohn zunickt, unterschrieb ich.

Dann ging alles ganz schnell. Wir fuhren ins Krankenhaus. Dort wartete bereits eine große Menschenmenge. Auf unserer Insel breiteten sich wichtige Nachrichten schon immer wie ein Lauffeuer aus. Die Leute standen vor dem Eingang der Notaufnahme und riefen meinem Sohn zu: „Danke, dass du gekommen bist! Du kannst dem Elend ein Ende machen. Das werden wir dir nie vergessen!“

Dann ging alles ganz schnell. Wir fuhren ins Krankenhaus. Dort wartete bereits eine große Menschenmenge. Auf unserer Insel breiteten sich wichtige Nachrichten schon immer wie ein Lauffeuer aus. Die Leute standen vor dem Eingang der Notaufnahme und riefen meinem Sohn zu: „Danke, dass du gekommen bist! Du kannst dem Elend ein Ende machen. Das werden wir dir nie vergessen!“

Ich staune noch bis heute über den tiefen Frieden, den mein Junge ausstrahlte, als er zusammen mit mir in den OP-Saal geholt wurde. Der Chefarzt der Klinik erklärte ihm noch die Vorgehensweise und betonte, wie stolz er auf ihn und seine Hilfsbereitschaft sei. Dann begann er mit der Blutabnahme. Anfangs lief alles reibungslos; doch als nur noch 200 Milliliter fehlten, wurde dein Vater ohnmächtig.

Ich betete, während die Blutabnahme fortgesetzt wurde. Irgendwie war ich mir sicher, dass Gott seine Hand über ihn halten und alles gut ausgehen würde. Unter vollem Einsatz des Chefarztes und der Krankenschwestern konnte schon wenig später die Blutabnahme erfolgreich beendet werden. Doch stell dir vor, dein Vater wurde nicht wieder wach. Obwohl sein Kreislauf mit Sauerstoffmaske und Blutplasma schnell wieder stabilisiert werden konnte, fiel er ins Koma.

Was dann folgte, werden wir Inselbewohner nie vergessen. Während dein Vater im Koma lag, wurden landesweit Gottesdienste und Gebetsstunden abgehalten. Unzählige Christen flehten zu Gott, dass mein Junge wieder aufwachen und gesund werden solle. Das Wunder geschah. Nach drei Tagen erwachte dein Vater wieder aus dem Koma. Wir waren überglücklich.

Seit jenem Tag feiern wir jedes Jahr auf unserer Insel das Fest der Liebe. Dann findet hier am Strand ein großer Gottesdienst statt – aus Dankbarkeit gegenüber Gott und zu Ehren deines Vaters. Gestern war es wieder mal so weit. Die Blumen, die man hier verstreut hat, sind ein Zeichen für die Freude der Menschen. Denn die tödliche Krankheit wurde schließlich mit Hilfe des Impfstoffes besiegt und dein Vater konnte gesund und glücklich weiterleben.

Opa Johansson atmete tief durch und gab seinem Enkel einen Kuss auf die Wange. Florian wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Dann warf er eine Blume nach der anderen hoch in die Luft, die er vorher so mühsam aufgesammelt hatte. Dabei strahlte er seinen Opa glücklich an. Auf dem Heimweg hüpfte er vor Freude und rief immer wieder: „Ich habe den besten Papa der Welt!“


Das Wunder der Liebe – Lied
Sie strahlt vor Freude, steckt dich an.
Sie wärmt die Seele, bricht den Bann.
Sie flüstert leise: „Hör mir zu,
lass dich berühren, komm zur Ruh.“
Sie regt nicht auf, sie regt dich an.
Sie streichelt, wie nur sie es kann.
Sie holt dich raus aus einem Frust,
sie schenkt neue Lebenslust.

Liebe gibt dir freie Bahn,
steht hinter dir und geht voran.
Sie lässt dich niemals allein,
bei ihr darfst du selber sein.
Liebe trägt dich, wenn du sie lässt.
Sie hebt dich auf und hält dich fest.
Mit ihr fängt neues Leben an,
denn Liebe gibt dir freie Bahn.

Sie holt dich ab und lässt dir Zeit.
Mit ihr vergeht die Einsamkeit.
Und sie ist da, wenn du sie brauchst.
Selbst, wenn du manchmal untertauchst.
Sie gibt mehr, als man hoffen kann.
Sie schaut dich wie ein Baby an.
Sie lockt ein Lächeln aus dir raus.
Bei ihr fühlst du dich wie Zuhaus.

Liebe gibt dir freie Bahn,
steht hinter dir und geht voran.
Sie lässt dich niemals allein,
bei ihr darfst du selber sein.
Liebe trägt dich, wenn du sie lässt.
Sie hebt dich auf und hält dich fest.
Mit ihr fängt neues Leben an,
denn Liebe gibt dir freie Bahn.

Liebe hüllt sich in Musik
und wird zu deinem Liebeslied.

Liebe gibt dir freie Bahn,
steht hinter dir und geht voran.
Sie lässt dich niemals allein,
bei ihr darfst du selber sein.
Liebe trägt dich, wenn du sie lässt.
Sie hebt dich auf und hält dich fest.
Mit ihr fängt neues Leben an,
denn Liebe gibt dir freie Bahn.

Copyright: Sören Kahl, 46483 Wesel, www.das-wunder-der-perle.de

...bereits 4176 x gelesen