Donnerstag, 23. Februar 2017
Predigtreihe über Amos– Teil 12 (Amos 8, 1 - 14)
Amos sagt uns heute in seiner Botschaft an das Volk Gottes, dass eine besondere Art von Strafe kommen wird. Wörtlich heißt es da »Es kommt die Zeit, da werde ich eine Not über das Land kommen lassen, die schlimmer ist als Hunger und Durst: Die Leute werden nicht nach Brot hungern oder nach Wasser lechzen, sondern verzweifelt darauf warten, von mir das rettende Wort zu hören. Sie werden im Land umherirren, vom Toten Meer bis zum Mittelmeer und vom Norden bis zum Osten. Überall werden sie nach einem Wort des Herrn fragen, aber keines zu hören bekommen.“ (Vers 11-12)

Wir können uns das heute gar nicht vorstellen, dass Menschen danach hungern werden, ein Wort Gottes zu hören. Noch ist es ja so, dass der größte Teil unserer Gesellschaft nichts von Gott wissen will. Im besten Fall sind unsere Bürger gleichgültig dem christlichen Glauben gegenüber. Schlimmer ist es, wenn sie zu Zauberern, Wahrsagern, Schamanen, Geistern und Horoskopen oder gar zu Satan selbst gehen, um irgendwelche Weisungen und Rat zu bekommen. Denn offenbar brauchen unsere Zeitgenossen Rat und Führung. Gerade habe ich gehört, dass in der letzten Buchmesse ein überraschend großes Angebot an Büchern mit Ratschlägen auf den Markt gekommen ist.

Noch also holt man sich seine Antworten bei Fachleuten oder Schwätzern, aber eines Tages wird man genug davon haben und wirklich ernsthaft Gottes Wort suchen. Das Traurige ist nur, dass es dann, wenn die Leute erst wollen, es keine Antworten mehr gibt. Gott schweigt. Und das wird die Menschen härter treffen, als alle anderen Strafen.

Der Bibeltext:

(8,1) Noch etwas ließ der Herr, der mächtige Gott, mich sehen: einen Erntekorb voll Obst.

(8,2) Er fragte mich: »Amos, was siehst du?« Ich antwortete: »Einen Korb mit reifem Obst.« Da sagte der Herr: »Ja, reif ist mein Volk - zum Gericht! Ohne Erbarmen will ich alles abernten.

(8,3) Dann werden die Sängerinnen im Königspalast Klagelieder anstimmen. An allen Orten liegen Leichen herum, niemand begräbt sie, überall Totenstille.« Das sagt der Herr, der mächtige Gott.

(8,4) Hört her, ihr Unterdrücker und Ausbeuter! Euer ganzes Tun zielt darauf ab, die Armen im Land zu ruinieren!

(8,5) Ihr sagt: »Wann ist endlich das Neumondfest vorbei, wann ist endlich der Sabbat vorüber? Dann können wir unsere Speicher öffnen und Korn verkaufen, das Getreidemaß kleiner machen und das Gewicht, mit dem wir das Silber zur Bezahlung abwiegen, größer, die Waagebalken verstellen

(8,6) und sogar noch den Abfall mit Gewinn loswerden.« Die Armen macht ihr zu euren Sklaven, auch wenn sie euch nur ein Paar Sandalen schulden.

(8,7) Aber der Herr, auf den ihr Nachkommen Jakobs so stolz seid, hat geschworen: »Nie werde ich ihnen diese Untaten verzeihen!«

(8,8) Wen wundert es da, dass die Erde bebt und alle ihre Bewohner erschrecken? Sie hebt und senkt sich wie der Nil in Ägypten.

(8,9) »An jenem Tag geht die Sonne am Mittag unter und am helllichten Tag wird es finster«, sagt der Herr, der mächtige Gott.

(8,10) »Ich verwandle eure Freudenfeste in Leichenfeiern; statt fröhliche Lieder zu singen, werdet ihr weinen und klagen. Ihr werdet euch die Köpfe kahl scheren und den Sack um die Hüften binden und so verzweifelt klagen wie beim Tod des einzigen Sohnes. Das Ende dieses Tages wird bitter und trostlos sein!«

(8,11) Weiter sagt der Herr, der mächtige Gott: »Es kommt die Zeit, da werde ich eine Not über das Land kommen lassen, die schlimmer ist als Hunger und Durst: Die Leute werden nicht nach Brot hungern oder nach Wasser lechzen, sondern verzweifelt darauf warten, von mir das rettende Wort zu hören.

(8,12) Sie werden im Land umherirren, vom Toten Meer bis zum Mittelmeer und vom Norden bis zum Osten. Überall werden sie nach einem Wort des Herrn fragen, aber keines zu hören bekommen.«

(8,13) An jenem Tag werden selbst die blühenden jungen Mädchen und die kräftigen jungen Männer verdurstet umsinken.

(8,14) Sie werden fallen und nicht mehr aufstehen - alle, die bei dem abscheulichen Götzen von Samaria schwören oder beim Pilgerweg nach Beerscheba oder die sagen: So gewiss dein Gott lebt, Dan!«

Wieder geht es in diesem Abschnitt um das zukünftige Gericht Gottes. Und wieder fragen wir uns: Wann genau wird dieses Gericht stattfinden? Ist es schon geschehen, vielleicht ein paar Jahre nach der Ankündigung? Vielleicht zur Zeit der Assyrischen Gefangenschaft, als Israel verschleppt und in alle Lande zerstreut wurde? Oder ist das ganze ein endzeitliches Ereignis?

So scheint es fast, wenn wir den Vers 9 lesen, wo es heißt: „An jenem Tag geht die Sonne am Mittag unter und am helllichten Tag wird es finster«, Das klingt doch nach außergewöhnlichen Naturerscheinungen, wie sie wohl nur zur Zeit des Weltunterganges stattfinden können.

Und weiter stellt sich uns die Frage: Gelten die Prophezeiungen nur den Israeliten? Oder gelten sie auch anderen Völkern und Menschen, die sich so ähnlich verhalten? Gott sagt ja: „Ich verwandle eure Freudenfeste in Leichenfeiern; statt fröhliche Lieder zu singen, werdet ihr weinen und klagen.“ Diese Ankündigung könnte allen Menschen gelten, die in Saus und Braus leben, sich bereichern, andere betrügen und ausbeuten und sich nicht um Gott kümmern. Oder meint dieses Wort vielleicht sogar uns, die wir im Wohlstand leben und uns dem Kaufrausch hingeben? Wozu sollten wir die Bibel lesen, wenn sie nicht auch gleichzeitig eine Botschaft für uns heute hätte?

Vielleicht betreffen die Prophezeiungen aber auch wirklich nur den Plan Gottes mit seinem Volk Israel? Vielleicht geht es nur um die Endzeit. Aber selbst dann sollten wir wissen, was Gott in Zukunft tun wird, damit wir uns darauf einstellen können.

Grundsätzlich können wir ja bei allen Prophezeiungen eine mehrfache Bedeutung finden. Da ist zunächst die Bedeutung für das Volk Israel zur Zeit des Propheten Amos. Die angesprochenen Sünden sind aktuell, realistisch und akut. Die Strafe wird wahrscheinlich noch zur Lebzeit dieser Gesetzesübertreter kommen. Niemand in Israel konnte sich damit trösten, dass die Folgen für seine Taten erst spätere Generationen treffen werden.

Über die direkte und aktuelle Bedeutung ist da noch die allgemeine Bedeutung. Die Sünden und Vergehen, von denen hier gesprochen wird, kamen ja nicht nur in Israel um das Jahr 800 vor Christus vor. Sie wurden genau so zu allen Zeiten von den Nachbarvölkern begangen. Und wenn wir uns heute umschauen, dann sehen wir auch unter uns Betrug, Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt. Genau die gleiche Korruption wie damals. Sollte Gott uns dann verschonen, wenn er sein Volk für seine Untaten bestraft?

Die Prophezeiungen finden also zuerst eine Erfüllung im kleinen Rahmen für das Volk Israel in der unmittelbaren Zukunft. Dann finden sie eine globale Erfüllung für alle heute lebenden Menschen. Und schließlich haben sie noch eine endzeitliche Bedeutung. Mit Endzeit meinen wir die letzten Tage, wenn Jesus wiederkommt und die Welt richten wird. Sehr wahrscheinlich wird es dann noch das Volk Israel geben, mit dem Gott nach einem besonderen Plan verfahren wird.

Die folgende Prophezeiung kann sich durchaus auch auf das Volk Israel zur Endzeit beziehen wenn es heißt: „Es kommt die Zeit, da werde ich eine Not über das Land kommen lassen, die schlimmer ist als Hunger und Durst: Die Leute werden nicht nach Brot hungern oder nach Wasser lechzen, sondern verzweifelt darauf warten, von mir das rettende Wort zu hören.“ Es kann sich aber auch auf Europa, auf die arabische Welt, auf Asien oder Afrika beziehen. Warum sollte nicht eines Tages in aller Welt ein großes Fragen nach dem Schöpfergott der Juden aufbrechen? Ein Suchen nach letzten Antworten, nach Rat und Weisheit, nach Trost und Hoffnung, nach Heilung, Vergebung und ewigem Leben?

Es gibt noch einen Gedanken, der mir bei diesem Text kommt. Die Strafen und Gerichte kommen über die Übeltäter wann Gott es will und bestimmt. Er sagt: Ich verwandle eure Freudenfeste in Leichenfeiern.“ Und weiter in Vers 11: „Es kommt die Zeit, da werde ich eine Not über das Land kommen lassen.“ Die Gerichte und Strafen kommen wirklich von Gott.

Viele Nöte in dieser Welt haben wir selbst verschuldet. Kriege z.B. gehen auf Machthunger und Habgier zurück. Armut entsteht oft durch die Ungerechtigkeit und Ausbeutung einiger skrupelloser Mitbürger. Selbst Naturkatastrophen wie Dürreperioden, Unwetter und Überschwemmungen werden mehr und mehr durch die Unvernunft des Menschen verursacht. - Auch im Kleinen, im persönlichen Bereich entstehen viele Probleme und Leiden durch die Sünde der Mitmenschen: durch Diebstahl, Gewalt, Missbrauch, Betrug und Mord. Jede Schuld trägt ihre Folgen in sich selbst und verursacht Schaden und Leiden. Das ist eine Gesetzmäßigkeit und wir brauchen Gott dafür nicht zu beschuldigen.

Nun, in diesem Fall, wird Gott aber eine Strafe senden, die von ihm selbst kommt. Die meisten Menschen werden das nicht glauben wollen. Sie werden es nicht erkennen, dass ihre Leiden und Nöte direkt von Gott verursacht wurden. Einige glauben ja sowieso nicht an die Existenz eines lebendigen, allmächtigen Gottes. Andere haben eine unrealistische Vorstellung von Gott. In ihren Augen darf er den Menschen keinen Schaden zufügen, sondern muss ihnen alle Wünsche erfüllen und immer freundlich und gnädig mit ihnen sein.

Darum schickt Gott seine Boten, damit sie die Hörer warnen. Die Leute sollen nicht nur wissen, dass eine Strafe und Not kommt, sondern sie sollen genau wissen, woher und warum sie kommt. Es ist nicht Zufall und nicht Schicksal, sondern Gottes Handeln und Einfluss. So können alle wissen, dass es einen handelnden Gott gibt. Oder auch: Verluste, Leiden, Nöte, Schicksalsschläge sind Beweise für die Existenz Gottes.

Amos sagt nicht nur Strafen und Gerichte Gottes voraus, er erklärt auch, warum sie kommen. Dazu gebraucht der Prophet eine sehr anschauliche Methode. Er belauscht gewissermaßen die Unterhaltung einiger Geschäftsleute. Darin ist die ganze Korruption und Bosheit der Gesellschaft zu erkennen.

Worüber unterhalten sich die Geschäftsleute in Israel? Was erfüllt ihr Denken und Trachten? Der Prophet weiß es. Er schreibt: Ihr sagt: »Wann ist endlich das Neumondfest vorbei, wann ist endlich der Sabbat vorüber? Dann können wir unsere Speicher öffnen und Korn verkaufen, das Getreidemaß kleiner machen und das Gewicht, mit dem wir das Silber zur Bezahlung abwiegen, größer, die Waagebalken verstellen 6 und sogar noch den Abfall mit Gewinn loswerden.«

An solchen Unterhaltungen wir deutlich, dass die Reichen nur böses im Schilde führen, sie wollen betrügen, ausbeuten und sich noch mehr bereichern. Jede Unterbrechung ihrer Geschäfte durch Feiertage ist ihnen ein Ärgernis und finanzieller Verlust. Zum Nachdenken und sich Besinnen auf andere Werte, wollen sie sich keine Zeit nehmen. „Wann ist endlich der Sabbat vorüber?“ sagen sie voll Ungeduld.

Anscheinend weihen sie sich in ihren Gesprächen auch gegenseitig in die Geheimnisse des Betruges und neuer illegaler Praktiken ein: Sie sagen: „“ Dann können wir das Getreidemaß kleiner machen und das Gewicht, mit dem wir das Silber zur Bezahlung abwiegen, größer, die Waagebalken verstellen und sogar noch den Abfall mit Gewinn loswerden.“ Schamlos, mit einer gewissen hämischen Freude erzählen sich die Geschäftsleute, welche Methoden sie gebrauchen, um ihre ärmeren Mitbürger zu betrügen. Offenbar sind sie sich sicher, dass ihre illegalen Praktiken nicht untersucht und nicht bestraft werden. Vielleicht decken sie sich gegenseitig, oder sie brauchen die Autoritäten des Landes nicht zu fürchten, weil sie keine Macht haben oder selbst korrupt sind.

Gott hat sich diese Situation eine Weile angeschaut. Die arme Bevölkerung hat schon eine Zeitlang gelitten, gestöhnt, geseufzt und vielleicht auch Gott angefleht. Nun lässt Gott seinen Propheten einen Korb mit reifen Früchten schauen: Amos schreibt: „Gott fragte mich: »Amos, was siehst du?« Ich antwortete: »Einen Korb mit reifem Obst.« Da sagte der Herr: »Ja, reif ist mein Volk - zum Gericht! Ohne Erbarmen will ich alles abernten. Dann werden die Sängerinnen im Königspalast Klagelieder anstimmen. An allen Orten liegen Leichen herum, niemand begräbt sie, überall Totenstille.« Das sagt der Herr, der mächtige Gott. (Verse 2-3)

Hier wird deutlich, dass Schuld und Sünde erst reifen müssen, bevor sie bestraft werden. Gott gibt den Menschen Zeit zur Umkehr. Wenn aber die Korruption einen gewissen Grad erreicht hat, dann kommt die Ernte: und das ist dann Gericht und Strafe. Wir können heute nicht genau wissen, wann das Maß voll ist. Vielleicht können wir das Gericht noch etwas hinauszögern indem wir Buße tun, das Unrecht eindämmen und bestrafen.

Oder wir können den Reifeprozess beschleunigen, indem wir das Böse unbeachtet zulassen und vielleicht sogar noch fördern. Und je nach unserer Einstellung zu Gott können wir uns auf die Zeit der Ernte freuen, wenn endlich das Böse bestraft und das Gute belohnt wird. Oder wir können uns fürchten und verstecken, wegschauen, uns betäuben und alle Warnungen unbeachtet lassen. Das wird aber das Gericht nicht aufhalten, sondern nur noch eher herbeiführen.

So unbequem und lästig manchen von uns die Prophezeiungen erscheinen, so dankbar können wir doch für das Reden Gottes sein. Noch können wir uns nicht ausmahlen wie es sein wird, wenn Gott schweigt und wenn die Menschen überall umherirren und nach einem Wort, einer Botschaft Gottes suchen – und keine Antwort finden werden.

Wir beten:
Herr, danke, dass Du noch zu uns redest, dass Du uns deine Gedanken und Pläne mitteilst! Gib uns offene Ohren, verstehende Herzen und Bereitschaft, Deinen Willen zu tun. Amen.

Rüdiger Klaue

Weitere Predigten von Rüdiger Klaue findest Du unter http://www.rklaue.com/

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