Dienstag, 11. Oktober 2016
Der kleine Magnolienbaum
Es war einmal ein kleiner Magnolienbaum, den Gott zu anderen Bäumen in den Garten seines Herzens pflanzte. Er war noch sehr klein und sein Stamm nur wenige Millimeter dick.

Als Gott ihn mit seiner Liebe goss, sagte er liebevoll zu ihm: "Nun verwurzle deine Wurzeln tief in mein Herz. Das ist das Wichtigste."

Das Bäumchen war so glücklich bei Gott sein zu dürfen, dass es sich überlegte ihm sehr gefallen zu wollen. Unbedingt wollte nun der kleine Baum aus Dankbarkeit für Gott am baldigen Heiligabend blühen. Nichts war ihm wichtiger. Er strengte sich an und unternahm alles um Knospen hervor zu bringen. Er schuftete, arbeitete sehr an sich, um unbedingt zu blühen und vergaß darüber ganz seine Wurzeln in Gottes Herz zu treiben.

Doch er schaffte es nicht zu blühen, bis auf eine klitzekleine Knospe. Der kleine Baum war sehr froh wenigstens etwas geschafft zu haben und wartete gespannt auf Heiligabend. Da kam die Schlange vorbei und sah mit Gier die kleine Knospe. "Das ist eine kleine, aber sehr, sehr feine Knospe. Darf ich die haben?", fragte sie schmeichelnd das Bäumchen. "Nein das geht nicht. Ich möchte damit für Gott am Heiligabend blühen", antwortete das Bäumchen und wurde auf einmal sehr stolz, die Knospe hervorgebracht zu haben.

"Sie ist aber so schön". sagte die Schlange und umschlängelte das Bäumchen, bis sie sehr nahe war. "Blühe doch schon jetzt. Bis Heiligabend ist es ja noch lang. Vielleicht geht die Knospe sonst bis dahin kaputt !", entgegnete die Schlange hinterlistig und verschwand.

Das kleine Bäumchen überlegte und bekam große Angst, dass seine Arbeit umsonst war und seine Knospe vielleicht wirklich kaputt gehen könnte bis dorthin. Man weiß ja nie. Es sah auch die anderen Bäume, die schon so groß waren und prächtig blühten. Es wollte doch auch so werden. Ganz unbedingt.

Nach einiger Zeit beschloss es, es wäre nun doch besser jetzt schon zu blühen. Es redete nicht mit Gott und fragte auch nicht nach seinem Rat, sondern entschied wie immer, selbst. Nach einigen Tagen war die Blüte richtig ausgebildet und weil das Bäumchen alle seine Kraft da hineinlegte, wurde die Blüte übergroß und sehr schwer.

Viele Bienen kamen und wollen von ihr trinken und setzten sich auf ihr nieder und beschwerten sie zusätzlich. Man konnte die Blüte kaum noch sehen und sie wurde fast erdrückt. Und weil die Wurzeln des Bäumchens nur an der Oberfläche lagen, drohte es an der Last fast um zu kippen oder abzubrechen.

Als es nun, so angestrengt da stand und auf Gottes Lob und Beachtung wartete, wurde es immer kälter und es kam ein Schneesturm auf. Es erschrak. Damit hatte es nicht gerechnet. Es versuchte sich verzweifelt Halt zu verschaffen, es gelang aber nicht. Der Sturm griff in die große Blüte und riss sie mit sich fort und das Bäumchen spürte, wie es immer mehr seinen Halt verlor und ebenfalls mitgerissen wurde.

Bis plötzlich zwei warme Hände kamen, es liebevoll schützend umgaben und festhielten. Da war das Bäumchen erleichtert und sank in die schützenden Hände Gottes. Er entfernt Steine und anderen Unrat, der sich festgesetzt und angesammelt hatte, aus den Wurzeln des Bäumchens.

Nun bekam es Angst und schämte sich, weil es Gottes Ratschlag nicht gesucht und seine Aufforderung vom ersten Tag an, seine Wurzeln in sein Herz zu schlagen, missachtet hatte. Doch Gott schimpfte es nicht. Er pflanzte es wieder, goss es mit seiner Liebe und sprach erneut liebevoll: "Verwurzle dich in mein Herz, dass ist das Wichtigste."

Nun nahm das Bäumchen all seinen Mut zusammen und fragte vorsichtig: "Lieber Gottvater, wann darf ich den blühen? Wir haben bald Heiligabend und ich möchte dir so gerne gefallen und für dich blühen."

Da lächelte Gott es an und antwortete erleichtert, weil es endlich anfing mit ihm zu reden und zu fragen: "Mein liebes kleines Magnolienbäumchen, du tust mir den größten Gefallen, wenn du deine Wurzeln in mein Herz schlägst, mich um Rat fragst und lernst mit mir eng zusammen zu sein. Denn wenn du das tust, haben wir eine untrennbare Freundschaft und Gemeinschaft miteinander und in dieser Gemeinschaft kann dein Innerstes stark werden und du kannst zu der richtigen Zeit, die ich für dich bestimmt habe, mehr Blüten hervor bringen als du jemals zu träumen wagtest. Verstehst du das? Willst du mir darin Vertrauen lernen?", fragte Gott nun zurück.

Da errötete das Bäumchen ein wenig, denn es wusste im Inneren, dass er recht hatte, und nickte zustimmend: "Ja, ich will dir Vertrauen lernen."

Nun stand das Bäumchen im Garten und freute sich an Gott und verwurzelte sich täglich tiefer in sein Herz. So vergingen einige Jahre. Es war nicht immer leicht nur in die Tiefe zu wachsen. Besonders wenn es die anderen prächtigen Bäume anschaute. Am meisten wuchsen seine Wurzeln in die Tiefe, wenn Stürme kamen und es sich darin trotz allem von Gottes Liebe begießen ließ, oder wenn es sich minderwertig fühlte und zu zweifeln begann, und trotzdem standhaft in Gottes Liebe blieb.

Aber auch wenn es schwach und unbeholfen war, und es nicht mehr konnte, fing Gottes Liebe es auf und half ihm weiter. Dann kam wieder die Sonne und Wärme und es brachte neue Heilung und neuen Mut. Aus diesen vielen Erfahrungen wurde es stark.

Gott wusste welche Mischung es von Sonne und Wind, Kälte und Stürmen, brauchen würde um sich noch tiefer in ihm zu verwurzeln. Daraus wurde es stärker und stärker und hielt an Gottes Liebe mit seinen Wurzeln fest.

Mit der Zeit liebte es sehr, mit Gottes Liebe gegossen zu werden. Es erzählte ihm alles, wollte vieles wissen, und fragte ihn immer wieder um Rat und sie redeten viel miteinander. So lernte es immer mehr dazu und es wurde zufrieden und glücklich. Es wurde eine enge tiefe Freundschaft aus dieser Gemeinschaft.

Eines Tages kam wieder die Schlange vorbei. "Du bist ja noch überhaupt nicht gewachsen! Du bist nun schon so lange hier und bist noch nicht gewachsen?! Mit dir stimmt wohl was nicht. Kannst du nicht blühen oder willst du nicht? Hast wohl keine Kraft und bist wohl Gott nicht gehorsam!", giftete sie.

Das Bäumchen schämte sich, erschrak und entgegnete: "Oh, doch ich bin gewachsen."
Da spottete die Schlange. "Das sieht man aber kein bisschen! Du bist ja immer noch klein und schwach, nur mit dir beschäftigt und könntest schon groß und stark sein!! Wie die anderen!!", grinsend zog sie sich wieder zurück.

Nach einer Weile, begann das Bäumchen an sich zu zweifeln. Ja, man sah nach außen wirklich nicht viel von seinem Wachstum. Es schien als hätte sich nichts geändert. Und als es gerade anfangen wollte seinem Zweifel nachzuhängen, und sein Vertrauen in Gott mächtig ins Schwanken kam, viel ihm ein, lieber doch noch mal Gott zu fragen. Denn er kannte sich mit allem am besten aus. Und Schließlich war er sein allerbester Freund.

"Bin ich wirklich nur schwach und klein? Bin ich ungehorsam?", fragte es. "Oh , nein, mein liebes kleines Bäumchen", antwortete Gott. "Schau mal." Und Gott zeigte ihm seine tiefen Wurzeln in seinem Herz. Die schon dreimal mehr in die Tiefe gewachsen waren und größer waren als seine Äste nach außen.

"Nicht das außen ist wichtig, sondern das Unsichtbare nach innen. Unsere tiefe Beziehung und deine Wurzeln des Vertrauens (Glaubens) darin, ist wichtiger als alles andere. Nicht was andere und die Welt sieht ist wichtig, sondern was ich in dir sehe. Vergleiche dich nicht mit den anderen die schon größer sind. Vergleiche verführen und versuchen dich nur, andere nachzumachen und ihnen nachzueifern. Das macht dich traurig und unzufrieden, weil es nicht deinem innersten Wesen und Begabungen entspricht. So kannst du kein unverwechselbares Original werden. In dir ist aber ein Schatz der so unverwechselbar ist das du überragend Leuchten wirst, wenn du dich traust auf mich zu vertrauen. So wie du einzigartig bist, ist auch dein Weg ganz speziell, einzigartig und von mir erdacht. Nur auf dich zugeschnitten. Unsere Freundschaft zeigt dir den Weg. Und du bist ihn gegangen und gehst ihn immer noch, auch wenn es oft schwer war, hast du an mir festgehalten. Durch diese tiefen Wurzeln wirst du nun in Zukunft jedem Sturm standhalten, besonders dann wenn du blühst, und dein äußerliches Wachstum, kann schneller vorwärts gehen als du denkst. Weil ich es mache, zur rechten Zeit.
Vertraue mir nur weiter darin. Ich liebe dich und bin Stolz auf dich, dass du mir weiter so vertrauen willst. Ich helfe dir ja auch dabei", antwortete Gott und strich liebevoll über seine wenigen Blättchen.

So bekam das Bäumchen durch sein kindlich Vertrauen volles Nachfragen und die weise Antwort Gottes, wieder Zuversicht, ließ sich mit seiner Liebe begießen, vertraute und vergaß die Worte der ollen Schlange.

Nach einiger Zeit waren die Wurzeln so tief, dass es auch nach außen hin zu blühen und wachsen begann. Immer mehr Blüten waren zu sehen, sie kamen fast wie von selbst. Das Bäumchen begann zu strahlen vor Freude.

Katja Vosseler: www.jesuliebe.de

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