Dienstag, 11. Oktober 2016
Schneeherz
In einer kalten Winternacht lief Tom mit seinem Schlitten durch den Wald. Die Sterne glitzerten herrlich am Himmel und es war eigentlich eine schöne Winternacht, doch für Tom war es eine schlimme Nacht.

Er war von zuhause ausgerissen. Seine Eltern hatten sich wie so oft wegen ihm, seinem Verhalten und wegen ihrer eigenen Probleme gestritten und dies wollte er einfach nicht mehr hören. Das ging schon seit Jahren so.

In der Schule die er bald abgeschlossen hatte, gab es auch ständig Ärger. Wer würde ihn schon vermissen. Er hasste diese Streitereien seiner Eltern und nun hasste er sich selbst auch dafür und alle anderen auch. Er wusste nicht mehr weiter. Nie mehr wollte er heimgehen, dachte er sich.

Was für ein Weihnachten würde das wohl werden? Was sollt er tun, wo sollte er hin? Tränen rannten über sein kaltes Gesicht. Warum feiert man Weihnachten überhaupt, fragte er sich. Würden seine Eltern überhaupt bemerken, dass er weg war? Er hatte schließlich noch drei Geschwister. Egal, er wollte sowieso nicht mehr zurück.

Es viel ihm vor Kummer gar nicht auf, dass er allein und im Wald war. Er stampfte trotzig und entschlossen weiter, Schritt für Schritt durch den Schnee tiefer in den Wald. Nach einiger Zeit war er so erschöpft das er ausruhen musste.

Doch nur wo, wo konnte er ausruhen und ein neues Zuhause finden? Ein Zuhause wo er willkommen war, geliebt und angenommen werden würde, auch mit seinen Fehlern. Jemand der sich über ihn freut, geduldig ist, hilft und Mut macht. Nicht auslacht, mit Prügel droht und ständig die Fehler vorhält und einen verurteilt. Jemand mit dem er weinen und lachen konnte, der ihn echt ernst nimmt und wirklich ganz echt liebte. So ganz doll. Einfach jemand mit dem er durch dick und dünn gehen konnte. Zu dem er absolutes Vertrauen haben konnte.

Oh wie lange schon und wie sehr wünschte er sich in seinem Herzen so jemanden. Er wusste schon gar nicht mehr wann dieser Wunsch in seinem Herzen begonnen hatte. Träumend sah Tom durch die Schnee verhangenen Tannenwipfel zum Sternenhimmel. Schwere Hoffnungslosigkeit überkam ihn.

Wieder rannten Tränen über sein Gesicht. Eigentlich hasste er es zu weinen. Aber es sah ihn nun ja niemand. Als die Tränen über seinen Mund liefen schmeckte er das Salz und - da-!! Was war das für ein Licht?

Er sah einen alten Stall und daraus drang ein kleiner aber heller Lichtstrahl. Vielleicht der Förster, der noch Heu für die Tiere holte? Langsam ging er näher. Und je näher er kam, desto wärmer wurde es plötzlich. Tom sah sogar den Schnee schmelzen von der Wärme. Er spickte durch einen Spalt in der Stalltür und sah drinnen eine Futterkrippe, aus der Licht strömte. Das war merkwürdig.

Vom Dach des Stalls tropfte nun auch schon der zu tauen beginnende Schnee wegen der anhaltenden Wärme aus dem Stall. Woher kam die Wärme? Was ist da drin? Begann sich Tom zu fragen und seine Neugier wurde immer größer.

Komische Geräusche drangen nun nach außen. Wie das leise Wimmern eines Babys. Liegt da vielleicht ein Kind drin wie in der Weihnachtsnacht? Er wusste nicht viel davon, nur das, was er im Schulgottesdienst mal so mitbekommen hatte.

Er dachte zu fantasieren. Nein, nein. Er schüttelte den Kopf und versuchte vernünftig zu denken, - da hat wohl eher jemand sein Kind weggeworfen -, wie er es im Fernsehen oft schon gehört hatte. Doch glauben wollte er das noch nie so recht.

Vorsichtig lief er um den Stall herum bis er wieder vor der Tür stand. Es war totale Stille. Doch, da - da war wieder das Wimmern. Nun nahm Tom allen Mut und Kraft zusammen und drückte die schwere Stalltür auf.

Und als er von seinem Kraftakt fast bis vor die Krippe stolperte, saß dort auf einmal ein Mann mit einem neugeborenen Lamm im Arm, das heiser blökte. Tom war erschrocken und fasziniert. Aus dem Herzen des Mannes drang dieses Helle Licht und auch diese wohlige Wärme.Toms Augen liefen fast über als er das alles sah.

So etwas Schönes hatte er noch nie gesehen und auch nicht gespürt. Eine Liebe strömte ihm entgegen, wie er sie noch nie zuvor gefühlt und gespürt hatte. Es drängte ihn eine Frage zu stellen. Doch wie sollte er ihn anreden. Noch nie hatte er mit so jemand geredet.

Aufeinmal stammelte er einfache Worte aus seinem Mund. " Wer bist du?", fragte Tom, schüchtern und seine Stimme zitterte. Nun streichelte der Mann das Lamm und blickte dabei in Toms Augen.

"Ich bin dein Retter, das Kind in der Krippe, das groß geworden, für dich gestorben und auferstanden ist, damit du leben kannst und zu Gott deinem Vater findest." Dann war einige Minuten Stille im Stall. Andere Lämmer und Schafe kamen plötzlich aus dem Dunkel und drängten sich zu den Füßen des Mannes.

" Ich bin aber auch die echte Liebe, die du suchst, deine Hilfe, deine Vergebung für alle deine Sünden, dein bester Freund und dein neues ewiges Zuhause, wenn du willst", lächelte er zurück. Tom wurde von den Worten, von der Liebe, Freundlichkeit und Ruhe, die aus dem Herzen des Mannes strömten, so ergriffen, dass ihm die Knie und sein Herz ganz weich wurden. So etwas hatte er noch nie erlebt und gespürt, doch sich in seinem Herzen schon immer gewünscht.

" Wie heißt du, und was muss ich tun, um bei dir Zuhause zu sein?", stammelte Tom, hingerissen und überzeugt von allem was er spürte. Jetzt begann der Mann noch mehr zu lächeln und es wurde noch heller im Stall. "Mein Name ist Jesus, und du musst mich nur in dein Herz einladen", gab der Mann mit sanfter Stimme zur Antwort.

Sollte dieser Mann wirklich der Jesus sein, von dem er mal in der Schule und von einem Freund gehört hatte? Wie konnte das sein? Träumte er? Nach einigen Minuten des Zweifel entschloss er sich zu vertrauen. Auch wenn alles verrückt zu sein schien. Die Liebe die von diesem Jesus ausging übertraf alles, was er bisher gespürt hatte. Sie konnte nicht unecht sein.

"Oh, Jesus dann komm in mein Herz. Ich bin so traurig und so allein. Ich habe oft so viel Wut in mir und mach darin so viel falsch. Viele hassen mich deshalb. Bitte vergib mir und hilf mir", bat Tom leise, und er war den Tränen sehr nahe, schaffte es aber sie wegzudrücken. Er wusste nicht ob er wegrennen oder lieber da bleiben wollte.

Da bat Jesus ihn näher und nahm Toms Gesicht in seine weichen warmen Hände. "Erzähle mir davon", bat Jesus und sah ihn mit einem weichen freundlich gewinnenden Blick an. Tom wurde ganz schwindelig bei dieser Vertrautheit und Nähe und war unsicher, ob er wirklich all seinen Kummer rauslassen konnte.

Auf jeden Fall wollte er nicht weinen und seine Schwäche zeigen. Vielleicht würde auch dieser Mann ihn auslachen deswegen. Krampfhaft verbarg er seine Angst. Er sah noch das Gelächter seines Vaters, als er unter Tränen einmal versuchte ihm die Wahrheit zu sagen, die sein Vater aber einfach nicht glauben wollte. Er wurde ganz steif und angespannt und ein Kloß bildete sich in seinem Hals.

" Tom", unterbrach Jesus ihn mit sanfter Stimme in seinen seelischen Kämpfen, "vor mir musst du dich niemals schämen. Bei mir musst du nicht deine Tränen, Schmerzen und Schwächen verbergen. Ich lache nicht über deine Schmerzen und Wunden in deinem Herzen. Du bist mir in all dem sehr, sehr wichtig. In deinen Freuden wie in deinem Schmerz, oder Kummer will meine Liebe zu dir, Heilung und Freiheit bringen. Weißt du, ich liebe dich und möchte dir gerne helfen froh zu werden." Das genügte Tom. Seine Tränen begannen in ihm hochzusteigen und sein Herz pochte wie wild.

Leise begann Tom von all seiner Wut und seinen Verletzungen zu erzählen, die ihm andere zugefügt hatten, durch dumme Umstände, Forderungen und Verhaltensweisen. Hässliche Worte von hart gewordenen Herzen. Sein ganzer Körper zitterte dabei. Er erzählte ihm auch von seinem tiefsten Schmerz, dass sein Vater ihn noch nie in die Arme genommen hatte, ständig Perfektion und Gehorsam von ihm verlangte und wenn er das nicht lieferte erbarmungslos von ihm bestraft wurde, kaum Zeit für ihn hatte und er noch nie liebe Worte wie "ich liebe dich" von seinen Eltern gehört hatte.

Bei Freunden hatte er das immer bei den Eltern beobachtet. Sie wurden gelobt und ermutigt, durften in manchem eigene Erfahrungen machen, und die Eltern der Freunde hörten ihren Kindern wirklich zu. Doch selbst hatte er so etwas noch nie erfahren.

Dabei kam aller Groll hoch der sich über Jahre angestaut hatte. Seine Hände wurden zu Fäusten und er kämpfte damit, nicht gänzlich die Kontrolle zu verlieren. "Ich hasse, ich hasse ihn so", wiederholt sprangen die Worte heiser über seine Lippen. Sein Hass stand im ins Gesicht geschrieben.

Jesus sah ihn voller Verständnis an und legte seine Hand auf Toms Rücken. Mit all dem meinte Tom seinen irdischen Vater, der übermenschliches für sein Alter von ihm erwartete und enormen Druck damit auf ihn gelegt hatte. Freiheiten in eigenem Handeln und Freizeit kannte er fast nicht.

Dann brachen endlich die Tränen aus ihm hervor. Er krümmte sich vor Seelenschmerz und barg sein Gesicht im Arm Jesu. Er weinte seinen ganzen aufgestauten Hass und tiefsten Schmerz vor Jesus raus. Es war als wenn große, schwere Steine von seinem Herzen fielen.

Und er erkannte, dass er selbst in manchen Situationen auch viel falsch gemacht hatte. Jesus nahm ihn ganz fest in die Arme und seine Liebe umfing ihn durch und durch. "Ich vergebe dir so gerne Tom", flüsterte Jesus nahe an sein Ohr.

Nach einer Weile wurde es auf einmal ganz ruhig in ihm, und alle Anspannung und aller Schmerz löste sich in seinem Herzen. "Meinst du, du kannst nun allen vergeben, die dir das angetan haben?", fragte Jesus und lächelte ihn voller Liebe und Mitgefühl an.

Tom sah in Augen voller Verständnis und begann dabei weiter zu weinen, aber nun vor Wohlgefühl und Glück. "Ja, ich will." Sein Herz wurde wieder leicht, froh und voller Hoffnung.

Jesus sprach zu ihm: "Ich liebe dich und alles wird nun heil. Ich bin immer bei dir, bitte mich um Hilfe, und ich helfe dir. Erzähle mir täglich von deinem Kummer und deiner Freude, das wünsche ich mir sehr. Gib mir die Scherben, dein Versagen, deine Angst, deinen Zorn, deine Fehler, die du machst, jeden Tag. Ich liebe dich und helfe dir aus deiner Last und deinem Schmerz in deinem Herz. Du bist sehr, sehr wertvoll für mich und etwas ganz besonderes. Ich liebe dich und lasse dich nie allein. Vielleicht kannst du mich nicht immer wie jetzt sehen.
Aber ich bin trotzdem da", sprach er liebevoll zu ihm.

Und als er so zu ihm redete, verschwand Jesus einfach vor seinen Augen. Tom erschrak. Doch Jesus flüsterte zu ihm. "Hab keine Angst und erschrick nicht. Ich bin trotzdem bei dir. Immer.
Und wenn du deine Augen zu machst, dein Herz auf mich richtest und viel Geduld hast, dann siehst du mich." Das beruhigte ihn und er fühlte sich ab diesem Augenblick nicht mehr alleine.

Er konnte plötzlich wirklich vergeben, seinen Eltern, den anderen und sogar sich selbst. Er wusste, dass er nun zurückkehren musste, um von dieser Liebe weiterzuschenken und zu erzählen. Schließlich sollten seine Eltern, Geschwister und Freunde auch mal so ein wunderbares, ewiges Zuhause in Jesu Liebe haben. Mit strahlendem Gesicht trat er aus dem Stall in die klare Nacht.

„Nach Hause kommen, das ist es, was das Kind von Bethlehem
allen schenken will, die weinen, wachen und wandern auf dieser Erde.“
(Freiherr Friedrich von Bodelschwingh)

Jesus freut sich riesig auf deine Einladung. Bei ihm kannst du nach Hause kommen, mit deinen Wunden deinen Wünschen und Träumen.

Katja Vosseler: www.jesuliebe.de

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