Freitag, 20. Dezember 2013
20. Dezember: Zwiegespräch an der Krippe
Ein kleiner Junge besuchte seinen Großvater und schaute zu, wie er an seiner mächtigen Krippenfigur schnitzte. Einige andere standen schon fertig auf dem Tisch. Und als er ein wenig müde seinen Arm auf die Tischkante legte, merkte er, wie alle Gestalten lebendig wurden. Und er war ganz erstaunt, dass er mit ihnen reden konnte.

Und noch mehr: Hirten, Könige, Maria und Josef waren nicht mehr klein, und er nicht mehr groß, sondern er ging mit ihnen in den Stall von Bethlehem hinein. Da schaute er das Kind an. - Und das Kind schaute ihn an.

Plötzlich bekam er einen Schreck und die Tränen traten ihm in die Augen. "Warum weinst du denn?", fragte das Jesuskind. "Weil ich dir nichts mitgebracht habe." - "Ich will aber gern etwas von dir haben", entgegnete das Kind. - Da wurde er rot vor Freude. "Ich will dir alles schenken, was ich habe", stammelte er.

"Drei Sachen will ich von dir haben", sagte das Jesuskind. Da fiel ihm der kleine Junge ins Wort: "Meinen neuen Mantel, meine elektrische Eisenbahn, mein schönes Buch mit den vielen Bildern?" – "Nein!" erwiderte das Jesuskind das alles brauche ich nicht. Dazu bin ich nicht auf die Erde gekommen. Ich will von dir etwas anderes haben." –

"Was denn?" fragte er erstaunt. "Schenk mir deinen letzten Aufsatz!" sagte das Jesuskind leise damit es niemand hören sollte. Da erschrak Michael. "Jesus" stotterte er ganz verlegen und kam dabei ganz nahe an die Krippe und flüsterte: "Da hat doch der Lehrer darunter geschrieben: Nicht genügend!" - "Eben deshalb will ich ihn haben." - "Aber warum denn?" fragte er. "Du sollst mir immer das bringen, wo ‘nicht genügend’ darunter steht. Versprichst du mir das?" - "Ja sehr gerne", antwortete der Junge.

"Aber ich will noch ein zweites Geschenk von dir!" sagte das Jesuskind. Hilflos guckte der kleine Junge. "Deinen Milchbecher!" fuhr das Kind fort. "Aber den habe ich doch heute zerbrochen!", entgegnete er. "Du sollst mir immer das bringen, was du im Leben zerbrochen hast. Ich will es wieder heil machen. Gibst du mir auch das?" - "Das ist schwer. Hilfst du mir dabei?"

"Aber nun mein dritter Wunsch", sagte das Jesuskind du sollst mir nun noch die Antwort bringen, die du der Mutter gegeben hast, als sie fragte, wie denn der Milchbecher kaputtgegangen sei. Da legte der Kleine die Stirne auf die Kante der Krippe und weinte bitterlich. "Ich ... Ich ... Ich ... " brachte er unter Schluchzen mühsam heraus: „Ich habe gesagt, ich habe den Becher umgestoßen. Aber in Wahrheit habe ich ihn doch absichtlich auf die Erde geworfen.“

"Ja, du sollst mir immer alle deine Lügen, deinen Trotz, dein Böses, was du getan hast bringen,“ sagte das Jesuskind. „Und wenn du zu mir kommst, will ich dir helfen. Ich will dich annehmen in deiner Schwäche. Ich will dir immer neu vergeben. Ich will dich an deiner Hand nehmen und dir den Weg zeigen. Willst du dir das schenken lassen?"

Und der Junge schaute hörte und staunte...

Verfasser unbekannt

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